Ein kleiner Kampf mit dem Mikrofon und ein großer Genuss für die Ohren

 

Die Kunst, aus vielen Musikern ein harmonisches Klangbild zu komponierten, gelang den Kölner Musikern vorzüglich.

Foto: Stadt

Wenn Musik, wie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch es nach den Worten von Carl Ludwig Schleich formulierte, „die Beschreibung der Welt ohne Worte und Begriffe ist“, dann war das Neujahrskonzert in Übach-Palenberg eine gewaltige, allumfassende Beschreibung, die kaum zu toppen war.

Doch der Reihe nach: Denn was sich im Laufe des Abends zu einem höchsten Klanggenuss entwickeln sollte, begann zunächst einmal mit bloßen Fakten. Zum einen hatte die Junge Philharmonie Köln, unter der bewährten und unvergleichlichen Leitung von Dirigent Volker Hartung, wieder einmal eine Lücke im prall gefüllten Kalender gefunden, um schon zum Jahresanfang ein echtes Highlight zu liefern. Zum Zweiten setzte die Stadt ihre Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Kreises Heinsberg fort, die als Partner der Konzertreihe zum Jahresbeginn gerne wieder bereitstand. Und zum Dritten boten die durchweg bestens eingestellten Musiker vom Fleck weg einen begeisternden Eindruck.

Der Opener war dabei bewusst dramatisch gewählt: Die Ouvertüre zu Verdis Oper „La Forza del Destino“. „Normalerweise machen wir so etwas nicht“, kommentierte Volker Hartung, aber angesichts einer Welt, die sich aktuell in vielen wilden Fahrwassern bewege, könne man ruhig einmal mit einem solch dynamischen Meisterwerk an den Start gehen. Die Geschichte, dass der Komponist zur Aufführung seines Werkes in einem offenen Schlitten nach St. Petersburg gefahren wurde, um dort auch den 43 verschiedenen Bühnenbildern und einer Unmenge an Aufwand unterworfen zu sein, gab es für die begeisterten Gäste gleich obenauf. Dass das Mikrophon für die gleichermaßen charmanten wie von einem Musikerleben in fast vier Jahrzehnten als Dirigent bewusst detailreich gestalteten Worten wenig Verständnis hatte, und nur bockig dem Gesprochenen folgen wollte, war eine Randnotiz. Mit einem trockenen, definierten Schlag auf den Boden des Geräts behob Hartung die Störung, und sein „Jetzt gehts“ rang den Gästen ein Lachen ab. Dass sie sich in einem in rekordverdächtig kurzer Zeit ausverkauften Auditorium wiederfanden, freute sie aber nicht nur in solchen Momenten. Es war vor allem der Stimmungsbogen, den Dirigent Hartung und die Damen und Herren mit ihren edlen Instrumenten spannten.

Fein artikulierte Flötentöne wie beim berühmten Beginn der „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg waren ebenso dabei wie der schwungvolle „Frühlingsstimmen-Walzer“ von Johann Strauss. Im zweiten Teil spielten der „Schwanensee“ von Tschaikowsky eine Rolle, die „Erinnerung an Zirkus Renz“ steuerte der Komponist Gustav Peter bei, und mit dem Klassiker „An der schönen blauen Donau“ schloss sich der Reigen. Nicht nur die Zwischentöne, sondern ein über alle Maßen dynamisch fein abgestuftes Klangbild, das wie aus dem Nichts zu entstehen schien und auf einen Tipp mit dem Dirigentenstab auch wieder dorthin entschwand, ließ die Gäste vor Entzückung jubeln.

Und am Ende waren es die vielen kleineren Mosaiksteine eines mit Wissen, dem Fingerspitzengefühl für feine Konzerterlebnisse und der Liebe zur Musik zusammengestellten Programms, die eine klangliche Reise der Sonderklasse ermöglichten. Dafür gab es völlig zu Recht überbordenden Applaus und den definitiven Wunsch nach einer Wiederholung im kommenden Neujahr.