Neujahrsempfang 2018

 

„Die Zeit der Entbehrungen ist noch nicht ganz vorbei“

 

Ob er nun im Volksmund Neujahrsempfang heißt, oder im offiziellen Veranstaltungskalender als Bürgerempfang geführt wird, ist eigentlich nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass die große Zusammenkunft aller Entscheider, Verwalter, Ehrenamtler und Bürger immer am zweiten Januar-Wochenende ein Moment ist, an dem Rückschau und Vorschau ineinanderfließen. So war es auch bei der jüngsten Auflage des Bürgerempfangs der Stadt Übach-Palenberg im Pädagogischen Zentrum (PZ). Es dürften über 350 Besucher gewesen sein, die sich auf das musikalisch von der Privat-Musikkapelle Scherpenseel und inhaltlich von der Stadtverwaltung getragene Programm einließen. Die Musik der Scherpenseeler, die gewohnt souverän von einem bestens aufgelegten Günter Preuth dirigiert wurden, bildete dabei den Rahmen nicht nur für die Verleihung der Ehrennadel, sondern auch für vier Ansprachen. Neben den Gästen aus der französischen Partnerstadt Rosny-sous-Bois mit Bürgermeister Claude Capillon an der Spitze, sowie aus der niederländischen Partnergemeinde Landgraaf mit deren Bürgermeister Raymond Vlecken, war es Gastgeber und Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der neben seiner offiziellen Begrüßung auch ein vielseitiges Redemanuskript zum neuen Jahr mit dabei hatte.

 

 Mehr als 350 Gäste waren in der Weite des Pädagogischen Zentrums von Übach-Palenberg zu Gast.

Foto: Stadt

„Die Stadt Übach-Palenberg hat sich in 2017 gut weiterentwickelt, aber die Zeit der Entbehrungen ist noch nicht ganz vorbei“, sagte Jungnitsch gleich zu Beginn der etwas mehr als 13 DIN-A4-Seiten umfassenden Ansprache. Die von ihm zitierten „schmerzhaften Einschnitte“ hätten aber die Aussicht auf einen dauerhaft sanierten Haushalt geschaffen. „Voraussetzung, um diesen eingeschlagenen Weg auch erfolgreich zu Ende zu gehen, ist, die Tugenden der letzten Jahre nicht zu vergessen, und das Anspruchsdenken und –fordern über die Möglichkeiten unseres Gemeinwesens hinaus immer noch zurückzustellen“, betonte der Verwaltungschef. Schließlich befände sich die Stadt noch bis 2021 im Stärkungspakt, „diesen limitierenden Faktor sollten wir uns alle immer vor Augen führen, er bestimmt unser Handeln“. Trotz der vom Bürgermeister genannten „restriktiven Sparpolitik“ seien aber viele Maßnahmen umgesetzt und realisiert worden. „Insbesondere unsere Schüler sowie unsere Jugend liegen uns am Herzen“, so seien im letzten Jahr 2,2 Millionen Euro eingesetzt worden. Erklärtes Ziel sei es, ein Lernumfeld zu schaffen, in dem es Freude macht, zu lernen. Die letztes Jahr vollzogene Schließung der Stadtbücherei nannte Jungnitsch eine „schmerzliche Stärkungspaktmaßnahme“, die private Initiative der „Bücherkiste“ begrüßte er dabei ausdrücklich. Einen Haken durfte die Stadt hinter das Thema „Klangbrücke“ setzen, das neue Baugebiet „Beyelsfeld“ habe sich in Rekordzeit gefüllt. „Ähnlich soll es in wenigen Jahren auch im Baugebiet Mariental umgesetzt werden“, wünschte sich der Bürgermeister, wobei Untersuchungen und Gutachten darüber, wo letztlich im Plangebiet tatsächlich gebaut werden kann, noch ausstünden. „Selbstverständlich müssen noch weitere Baumöglichkeiten im Stadtgebiet ausgewiesen werden, um der enormen Nachfrage überhaupt gerecht werden zu können“, betonte er, hier gelte es, mögliche Abwanderungen zu verhindern. Die Infrastruktur der Stadt auf den aktuellen Stand zu bringen, war auch sein Thema, spitze sei Übach-Palenberg schon in Sachen Breitbandversorgung im Intranet, aber Straßen und Kanäle müssten teilweise erneuert werden. Als „erfolgreich eingestielt“ bewertete Jungnitsch die künftige Ortsumgehung Scherpenseel, die ab 2030 für weniger Durchgangsverkehr sorgen dürfte, wenn sie fertiggestellt ist. Eine weitere Kita, viele Investitionen in die Freiwillige Feuerwehr, sowie ein umfassendes Veranstaltungsprogramm standen bei seiner Bestandsaufnahme auch auf der Positivseite der Stadt.

 

Den musikalischen Part des Bürgerempfangs übernahm eine bestens aufgelegte Privat-Musikkapelle Scherpenseel.

Foto: Stadt

Die Verwaltung habe sich aber ebenfalls den Herausforderungen des Stärkungspaktes stellen müssen: Jungnitsch rechnete vor, dass seit 2012 die Zahl der städtischen Mitarbeiter um 27 Stellen oder 13 Prozent gesunken sei. „Anhand dieser Zahlen ist leicht auszumachen, welche organisatorischen Herausforderungen und welche Leistungsbereitschaft des Personals hiermit verbunden ist“, betonte er. Ein Lob für die eigene Arbeit sprach sich Wolfgang Jungnitsch auch aus. „Die Entwicklung der Stadt und der Wirtschaftsförderung ist ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit“, sagte er, „hier zeigt sich, dass Maßnahmen im breitesten Sinne gegriffen haben“. So sei die Arbeitslosigkeit seit 2009 um 43 Prozent zurückgegangen, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen im gleichen Maße gestiegen. Und vor den abschließenden Dankesworten, in die der Erste Bürger ausdrücklich alle Mitarbeiter, alle ehrenamtlich Tätigen und alle diejenigen einschloss, die sich gegen das Postfaktische, gegen Hass und Zwietracht einsetzten, wünschte er sich, kam er noch auf die Berichterstattung in der Tagespresse zu sprechen. Hier sei es in seinen Augen geschehen, dass „ohne Relation zur Realität“ die Stadt Schaden genommen habe. „Durch permanente negative Berichterstattung leidet der Name unserer Stadt, dies hat weder unsere Stadt, noch haben dies unsere Bürger verdient“, so Jungnitsch. Die geleistete Arbeit von Politik und Verwaltung habe es verdient, gewürdigt zu werden, „und ich hoffe, dass dies im Jahre 2018 angemessen auch in der Print-Berichterstattung wiederzufinden sein wird“. Als guten Vorsatz für das neue Jahr nannte Jungnitsch denn auch, „ein besseres Verhältnis zur Tagespresse zu entwickeln, in der Hoffnung, dass es von dort auch entspannter heraushallt.“

 

Wolfgang Jungnitsch mahnte, dass die Zeit der Entbehrungen in der Stärkungspakt-Kommune Übach-Palenberg noch nicht vorüber sei.

Foto: Stadt

Gewohnt entspannt ging Raymond Vlecken als Bürgermeister von Landgraaf seinen Redebeitrag an. Wobei er sich wünschte, dass die gute Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg auch in diesem Jahr fortgesetzt werde. „Wir müssen den Zusammenhalt und das Miteinander fördern“, wünschte er sich. Auf dieser Linie war auch sein Amtskollege Claude Capillon aus Rosny-sous-Bois. „Ich glaube, wir sind ein europäisches Ideal: Unabhängig, aber zusammen, souverän, aber verbunden, getrennt, aber vereint“, schloss er unter dem Applaus der Anwesenden.

 Die Bürgermeister Claude Capillon (l.) aus Rosny-sous-Bois/F, Gastgeber Wolfgang Jungnitsch (M.) und Raymond Vlecken aus Landgraaf/NL stießen auf das neue Jahr an.

Foto: Stadt