"Gemeinsam gegen Meningokokken e.V." ist eine Selbsthilfegruppe, die Menschen helfen will, die von Meningokokken betroffen sind.

Ansprechpartnerin in Übach-Palenberg ist Elvira Schwarz, Kontakt über E-Mail: info@gemeinsam-gegen-meningokokken.de.

Die Internet-Seite des Vereins lautet:  http://www.gemeinsam-gegen-meningokokken.de/

Hier ein Presse-Artikel, der am 23. April 2010 in der GZ stand. Er verdeutlicht die Problematik, die sich hinter Meningokokken verbirgt:

Über sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Elvira Schwarz beinahe ihre Tochter verloren hätte. Innerhalb weniger Stunden war die damals anderthalb Jahre alte Christiane todkrank. So krank, dass ihre Mutter sie fast aufgegeben hätte. Wenn sie heute daran zurückdenkt, steigen ihr immer noch die Tränen in die Augen. Dann holt sie das Foto von Christiane aus dem Schrank, das ihr Opa aufgenommen hat, kurz bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Die linke Gesichtshälfte hängt leicht, der linke Arm liegt schlaff am Oberkörper an. Äußerlich im Großen und Ganzen aber die einzigen Folgen, die sie bei der Entlassung von ihrer Meningitis zurückbehalten hat.

Das Foto ist leicht geknittert. „Wir haben uns das früher oft angeschaut“, sagt Elvira Schwarz. Als könnten sie, ihr Mann und die drei anderen Kinder es immer noch nicht fassen, dass Christiane die schwere Krankheit tatsächlich überlebt hat. Die Erinnerung an das, was vor sechs Jahren passiert ist, bestärkt Elvira Schwarz auch in ihrer Entscheidung, in Übach-Palenberg die Selbsthilfegruppe „Gemeinsam gegen Meningokokken“ gegründet zu haben. Meningokokken, das sind Bakterien, die eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) hervorrufen können. Die Krankheit ist relativ selten, kann aber sehr schwerwiegende Folgen haben und verläuft meist rasant schnell. Häufig treten Durchblutungsstörungen auf, die Amputationen der Gliedmaßen erforderlich machen können. So weit kam es bei Christiane nicht. „Keiner kann sagen, warum sie das überhaupt überlebt hat. 85 Prozent der Patienten, die sich in diesem Stadium befinden, sterben“, sagt Elvira Schwarz.

Und so fing es an: „Es war in der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 2005. Wir saßen im Esszimmer und hörten über das Babyphon plötzlich, wie sie ganz leise vor sich hinweinte“, erzählt die 41-Jährige. Ganz merkwürdig seien ihr die Laute vorgekommen. „Das habe ich vorher bei meinem Kind so nie gehört.“ Schüttelfrost habe sie gehabt und sich bei Berührungen gewehrt. Nun war Christiane nicht zum ersten Mal krank, vorher hatte sie etwa eine schwere Atemwegserkrankung. Aber dieses Mal verhielt sie sich ganz merkwürdig. Elvira Schwarz fuhr umgehend mit der Kleinen ins Aachener Uniklinikum. Dort wurden bei Christiane 40 Grad Fieber gemessen. „Das könnten die Windpocken werden“, hieß es. Also wieder zurück nach Hause, wo Mann Rainer und die drei älteren Kinder warteten. „Am nächsten Morgen hatte sie überall Hautblutungen im Gesicht und blaue Flecken. 13 Stunden später versagte ihr Herz“, sagt Elvira Schwarz.

Macht sie dem Krankenhaus rückblickend wegen der Fehldiagnose Vorwürfe? „Nein, jeder macht mal Fehler, ich hätte ja auch darauf bestehen können, dass Blut abgenommen wird“, sagt Elvira Schwarz. Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: „Aber vielleicht würde ich es anders sehen, wenn meine Tochter gestorben wäre.“

Christiane kam sofort auf die Intensivstation, wurde künstlich beatmet, bekam verschiedene Infusionen und Blutkonserven. Ihre Fingerkuppen und Zehen waren dunkel verfärbt. Alle Menschen aus dem Umfeld mussten schnellstmöglich informiert werden. Ihnen wurden Antibiotika und Hausarrest verordnet.

Unterdessen stand Konrad Heimann, Oberarzt der Kinderintensivstation, vor der schwierigen Entscheidung, Christiane an die Herz-Lungen-Maschine anzuschließen. Was das bedeuten kann, war Elvira Schwarz bewusst, da sie selbst Krankenschwester ist: Gehirnblutungen und eine Beeinträchtigung des Denk- und Konzentrationsvermögens. Dafür, dass er abwartete und sich schließlich dagegen entschied, ist ihm die 41-Jährige heute sehr dankbar.

Stündlich ging sie in den kritischen ersten 72 Stunden rein zu ihrer Tochter, sprach ihr Mut zu. „Jetzt haben wir wieder eine Stunde geschafft“, habe sie sich dann immer gesagt, erinnert sie sich. Nach drei Tagen stand endlich fest: Sie hat es gepackt. In den kommenden Wochen im Krankenhaus und später zu Hause bekam sie Krankengymnastik, „heute spielt sie Keyboard und besucht die erste Klasse“, erzählt die Mutter und strahlt.

Nur ein Oberschenkelknochen wächst nicht, wie er sollte, weshalb Christianes Beine unterschiedlich lang sind und sie bald operiert werden muss. Von anderen Betroffenen kennt Elvira Schwarz auch andere Krankheitsverläufe. Monatelange Klinikaufenthalte, Teilamputationen und lebenslange Schmerzen.

Damit dieses Schicksal immer weniger Menschen trifft, will Elvira Schwarz mit ihrem gerade gegründeten Verein mehr Aufmerksamkeit auf die Krankheit lenken. „Vor allem eine Anlaufstelle für Betroffene“ soll der Verein werden, aber auch aufklären. Neben der vereinseigenen Homepage gibt es Präsenzen auf sozialen Netzwerken im Internet, bald sollen auch Flyer in Krankenhäusern ausgelegt werden. Damit möglichst viele Eltern ihre Kinder impfen lassen, die Symptome schnell erkennen und sofort handeln. Damit keiner die Ängste haben muss, die sie mit ihrer Familie durchleben musste.