Skulpturengruppe: Frelenberger Esel

 

Dorfidylle mit dem "Wappentier" der Frelenberger,
gelegen an der Ecke Geilenkirchener Str.Ägidiusstr.

 
Der Frelenberger Esel aus der Bronzeplastikgruppe in Frelenberg. Foto: Stadt

Abb. 1: Der Frelenberger Esel aus der Bronzeplastikgruppe in Frelenberg. Foto: Stadt

Der Gemeinderat von Frelenberg, so erzählt man, konnte sich nicht darüber einig werden, wohin die Kirche gebaut werden sollte. Da schlug ein ganz Schlauer vor: "Wir laden einem Esel einen Sack auf, wo er ihn abwirft, da wollen wir die Kirche bauen." Das wurde einstimmig angenommen. Der Esel stieg aber einen ziemlich steilen Hügel hinan, der am Südausgang des Dorfes liegt, und als er oben angekommen war, warf er sich nieder, da er nicht mehr weiter konnte. Und dorthin bauten die Frelenberger ihre Kirche. Daher werden die Frelenberger auch heute noch "de Aesele" geschimpft.

Bei der Gestaltung des Ortssymbols standen im Vordergrund der Überlegungen der Künstlerin Roswitha Schmitt, eine Darstellungsform zu finden, die eine lebendige Erzählweise dieser Eselsgeschichte ermöglicht. Ein Esel, beladen mit einem Sandsack, trabt, unbelastet von seiner schweren Verantwortung als Standortsucher, durch das Dorf. Geistlichkeit und Obrigkeit folgen in einigem Abstand, noch unentschlossen in ihrer Haltung die rechte Würde einzunehmen. Beobachtet werden sie von der Bevölkerung, hier stellvertretend dargestellt durch eine, ihre Arbeit unterbrechende Bauersfrau. Somit gehören vier Bronzeskulpturen zu diesem Ensemble, direkt an der Ecke Geilenkirchener Straße/Ägidiusstraße ihren Platz fand.


Abb. 2: Die "Vierer-Gruppe" des Esel-Denkmals v.l.n.r.: Die Bäurin, der Pfarrer,
der Bürgermeister und der Esel. Im Hintergrund die "Quelle" (Siepe", die dem
Platz ein schönes Ambiente gibt. Foto: Stadt

Der gewählte Standort ermöglicht es, durch die Dreierkonstellation der Figurengruppe, ein Spannungsfeld auf dem Platz aufzubauen. Bewegungsrichtung, Körperhaltung und Blickrichtung lassen die Beziehung der Figuren untereinander erkennen. Die Figuren sind sowohl Beobachter als auch Akteure der Szenerie. Jeder Besucher des Platzes, selbst ein Beobachter, wird unmittelbar in die Geschichte gezogen und gehört so auch zum Inhalt der Erzählung. Die Figuren sind etwa lebensgroß in Bronze gearbeitet. Der Platz ist so angelegt, dass der nötige Spannungsraum für die Figurengruppen entstehen kann.

Das Denkmal wurde am 26. November 1994 durch Bürgermeister Rolf Kornetka eingeweiht. Drei Jahre zuvor, im Jahre 1991, hatte der Stadtrat bereits einen Grundsatzbeschluss getroffen, das Frelenberger Ortssymbol in Form eines Denkmals zu errichten. Dazwischen lagen drei Jahre, in denen es auch einige Kontroversen gab, u.a. über die Art und Weise des Denkmals und der Kosten.

Die Einweihung des Ortssymbols am 26.11.1994 durch Bürgermeister Kornetka. Foto: Stadt
Die Einweihung des Ortssymbols am 26.11.1994 durch Bürgermeister Kornetka
(Bildmitte) im Beisein von Stadtdirektor Paul Schmitz-Kröll (links) und dem
Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Joseph Reinartz (rechts). Foto: Stadt

Die Esel-Legende in Gedichtform:

In Frelenberg vom Esel laut zu reden,
Ist keinem Fremden anzuraten;
Denn alt und jung wird wütend ihn befehden
Mit schnellen Worten und mit Taten.
Gar mancher ist in seinen jungen Tagen
Zu Schimpf und Schlägen dort gekommen
Und hat erst dann bei seinen Schmerzensklagen
Die alte Sage auch vernommen:

Es war vor langen Jahren, altersgrauen,
Des Dorfes Rat begann zu tagen:
Man wollte eine neue Kirche bauen,
Sie sollte hoch zum Himmel ragen.
"Wohin sie bauen?" war die große Frage;
Der Rat beriet wohl manche Stunde.
Er hörte Bitten, prüfte manche Klage,
Bis Zorn und Zank entzweit' die Runde.

Da sprach mit schnellem Wort ein junger Bauer:
"Was sollen wir uns lange zanken!
Drum hört! Die Kreatur ist manchmal schlauer
Und gibt die fehlenden Gedanken.
Des Müllers Esel sei von uns erkoren,
Er soll wie immer Säcke tragen,
Und wo der erste Sack ihm geht verloren,
Soll himmelwärts das Bauwerk ragen."
Der Vorschlag machte schnell die Runde,

Es klatschten Beifall alle Hände.
Und straßenwärts trug man die frohe Kunde;
Das Freudenrufen nahm kein Ende. - -
Ein Festtag ward im ganzen Dorf bereitet,
Schon früh begann das Singen, Geigen.
Der Esel kam, von frohem Volk begleitet,
Bereit, den Bauplatz anzuzeigen.
Und ringsumher in Straßen und in Auen
Umstand in festlichem Gedränge,
Ein großes Werk neugierig anzuschauen,

Das graue Tier des Volkes Menge.
Der Esel sah die Reihen drohend schwanken,
Im Wurmbach auch der Sonne Blinken,
Zur Höhe stieg er an nach kurzem Wanken;
Die Freiheit schien ihm dort zu winken.
Ihm folgt' das Volk in hellen Haufen
Mit lautem Ruf und frohem Worte:
Da fing der Esel an bergauf zu laufen,
Und mit ihm alle aus dem Orte.
Es trabten Väter, Mütter, Söhne,
Der steile Weg ward mühevoller.
Mit leisem Fluchen und Gestöhne
Tobt' fort die Jagd und immer toller.

Den Esel schien dabei die Last zu drücken;
Er ließ ins Gras sich müde fallen.
Dann warf die Säcke er vom Rücken
Und ließ sein "I-a" laut erschallen.
Der Schrei erweckt' das Volk zu neuem Leben,
Es tanzte jubelnd auf dem Grase;
Der junge Bauer, der den Rat gegeben,
Er hob voll Stolz die lange Nase.
Er sprach: "Des Esels Weisheit sei gepriesen.
Hier wollen wir die Kirche bauen!

Der Esel hat uns diesen Platz gewiesen;
Nun seht, so lohnt sich das Vertrauen!" - -
Das Volk begann, das Gotteshaus zu bauen;
Schnell wuchs das Mauerwerk nach oben.
Von nah und fern kam man zu schauen
Und hört oft den Esel loben.
Doch viele schüttelten dabei die Köpfe
Und dachten im Bergunterrennen:
"Der Esel! Hm! Ihr armen Tröpfe,
Wir wollen euch nach ihm benennen." - -
Hört man in Frelenberg den Esel nennen,
Fühlt jeder sich seitdem getroffen. -
Die alte Sage muß man heute kennen,
Will man auf langes Leben hoffen.

Blick auf das Denkmal in Richtung Geilenkirchener Straße. Foto: Stadt
Abb. 4: Blick auf das Denkmal in Richtung Geilenkirchener Straße. Foto: Stadt