Römisches Badehaus im Naherholungsgebiet

 

Ein interessanter Fund aus der römischen
Vergangenheit auf dem Gebiet des heutigen
Übach-Palenberg

 
Blick auf das römische Badehaus im Naherholungsgebiet von der Seeseite des Obersees. Foto: Stadt

Abb. 1: Blick auf das römische Badehaus im Naherholungsgebiet
von der Seeseite des Obersees. Foto: Stadt

Bei Erdbewegungen für das Freizeitgelände im Wurmtal wurde 1988 das ehemalige Badegebäude von dem mittlerweile verstorbenen Rudi Jentek aus Marienberg entdeckt. Nach Meldung der Fundstelle durch Richard Riediger und Matthias Zavrtak, wurde das Objekt vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes ausgegraben. Es gehört zu einem römischen Gutshof (Villa Rustica) der während des 2. und 3. Jahrhunderts n.Chr. am Rand der Wurmaue bewirtschaftet wurde. Das Hauptgebäude liegt unter dem Aussichtshügel des heutigen Freizeitgeländes. Das Haus wurde beim Bau der Bahnlinie um die Jahrhundertwende mit den ausgehobenen Erdmaßen der Bahnschneise überdeckt und 1944 beim Bau von Panzersperren angeschnitten.

Ausgrabungsarbeiten zur Rekonstruktion des Denkmals im Jahre 1991. Foto: Stadt
Abb. 2: Ausgrabungsarbeiten zur Rekonstruktion des Denkmals im Jahre 1991. Foto: Stadt

Das Bad ist 13 m lang und 6 m breit. Der Eingang lag im Norden. Von dort aus betrat man zuerst den Auskleideraum (A, Podüterium), danach einen ovalen ungeheizten Baderaum (B, Fregitarium) der einem Kaltwasserbecken (B1) schließlich einen beheizten Baderaum (C, Kaldarium), an den nach Westen eine halbrunde Nische sowie ein gleichfalls halbrunden – separat geheizter – Schwitzraum (D, Lakonikum oder Sudatorium) angeschlossen war. Möglich ist auch, dass sich über der Zusatzheizung ein Heizwasserbecken anstelle des Schwitzraumes befand. In der Süd-Ost-Ecke des Heizbaderaums (C) ist ein Teil der Fußbodenheizung wieder aufgebaut. Hier ist erkennbar, in welcher Höhe der Fußboden ehemals über dem Hohlraum für die Heiz? ? außerhalb des Gebäudes, ebenfalls über die Mauer ?, folgte nach Süden der Arbeitsraum für die Feuerung (Präfurium). Der großen Fußbodenheizung in Raum (C) (E) gehörte nicht zum ursprünglichen Baukonzept, sondern wurde erst später angefügt.

Die Westseite des Badehauses fällt durch die massiven Stützen durch die Außenwand auf. Das Fundament in diesem Bereich ist ebenfalls verstärkt. Die auffällige Bauweise deutet darauf hin, dass die Wasser der Wurm in römischer Zeit diese Gebäudefront erreichen konnten und die Gefahr von Unterspülung durch Hochwasser bestand. Die römischen Ingenieure haben diesen Bauteil so gut ausgeführt, dass er über fast 2000 Jahre erhalten geblieben ist. Das kleine Badegebäude bietet alle Vorrichtungen, die für den klassischen römischen Badegang notwendig sind. Vom Eis-Auskleideraum begibt man sich in das Kaltbad, wärmt sich dann auf und Betritt schließlich die heiße Badezone. Auf dem Rückweg wird der erhitzte Körper dann wieder abgekühlt.

Eine weitere Ansicht des fertigen Denkmals. Foto: Stadt
Abb. 3: Eine weitere Ansicht des fertigen Denkmals. Foto: Stadt

Einige Funde aus dem Gebäude zeigen, dass die Anlage im zweiten und vermutlich auch im dritten Jahrhundert n.Chr. benutzt worden ist. Heute bietet sich der Komplex als konservierte Ruine da, die den ursprünglichen Charakter der Räume und des Gesamtbauwerkes erkennen lässt. Die Konservierungsarbeiten erfolgten unter Leitung des rheinischen Amtes für Wohndenkmalpflege und im Auftrag der Stadt Übach-Palenberg durch eine Gruppe ungarischer Restauratoren.

Die Originallage erhaltenen antiken Mauerreste sind von wieder aufgesetztem Mauerwerk durch eine vertiefte Fuge abgesetzt. Das römische Badehaus ist ein Bodendenkmal. Es gehört zur Geschichte von Übach-Palenberg und wurde nach sorgfältiger Untersuchung und Restaurierung den Bürgern zurückgegeben.
(entnommen der Info-Tafel im Naherholungsgebiet)

Rudi Jentek, der Entdecker der Fundstelle des Römischen Badehauses. Foto: Klosa
Abb. 4: Rudi Jentek, der Entdecker der Fundstelle des Römischen Badehauses. Foto: Klosa