Die Mühle Zweibrüggen

 

Die Mühle, die im Kreis Heinsberg als letzte
gearbeitet hat - die dokumentierten Anfänge
reichen bis ins 15. Jahrhundert

 
Das Gebäude der ehemaligen Mühle in Zweibrüggen. Foto: Stadt
Abb. 1: Das Gebäude der ehemaligen Mühle in Zweibrüggen. Foto: Stadt

Auch diese Mühle war eine Korn- und Ölmühle mit großer Hofanlage. In ihrer Hochzeit waren sogar drei Mühlräder in Betrieb. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war sie ebenfalls eine Zwangsmühle. Die ersten Aufzeichnungen über die Zweibrüggener Mühle stammen aus dem Jahre 1450. Aus den Jahren 1544/45 und 1602/03 stammt folgender Wortlaut: „Item an der Müllen zu Zwenbruggen, dem hern Amptman zugehorig, daruff zwenglich seint die Dörfer Scherpenseil, Mergenberg, Bersitten, Palenberg, Zwenbruggen und Beggendorf -... 18 mltr. R. -  An der Mullen zu Zwenbruggen dem hern amptman zugehorig 18 quart, ist dem amptman mit vur syn underhalt zugelassen.“

Die Zugehörigkeit der Mühle zum Amtmann beruhte, wie aus einer anderen Eintragung hervorgeht, auf einer Pfandschaft, die schon 1541/42 für den Amtmann Junker Clays von Harff an dem Pachtzins von 18 Malter Roggen bestand und deren Gläubiger 1602/93 der Amtmann Robert von Harff war. Das Pfand konnte durch Zahlung von 300 Goldgulden abgelöst werden.

Eine Feuersbrunst, die am 8. November 1878 ausbrach, vernichtete die Mühle samt Stallungen und Scheunen bis auf die Grundmauern. Sie wurde aber wiederaufgebaut.

Die Mühle in Zweibrüggen, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg an der Wurm in Betrieb war. (Stadtarchiv)
Abb. 2: Die Mühle in Zweibrüggen, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg
an der Wurm in Betrieb war. (Stadtarchiv)

Um das Jahr 1900 besaß die Mühle Zweibrüggen das einzige Telefon am Ort. Sogar Baron Franz Freiherr von Negri vom Schloss Zweibrüggen benutzte im Bedarfsfalle dieses Fernsprecher. Ihm musste man bei der Bedienung des Apparates stets behilflich sein, weil er keinen rechten Bezug zu diesem neumodischen Ding hatte.
 
Schon weit vor der Jahrhundertwende (19./20.) war die Mühle im Besitz der Familie Hyronimus Opfergelt aus Bersitten. Von 1885/86 bis 1920 war Josef Weyden Pächter. Weyden siedelte dann nach Palenberg über, kaufte sich zuerst eine elektrische Mühle und betrieb später die Gaststätte Weydenhof. Übrigens stammt das Wegekreuz an der Poststraße (Nähe Bersitten) vom Grab des Josef Weyden. Nach dessen Einebnung fand das Kreuz hier seinen endgültigen Platz als neutrales Wegekreuz, nachdem die Angaben zur Person entfernt worden waren.

Bis zum 28.2.1960 blieb die Mühle Eigentum der Familie Opfergeld, die nach dem Wegggang der Familie Weyden ab dem Jahre 1920 weiter den Malbetrieb führte. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in der Mühle zwei Familien. Einmal die Familie Marian Blaszkowski (diese führten den Malbetrieb) und die Familie Josef Schultes (sie betrieben die Landwirtschaft dort von 1951 bis 1965).

Die Mühle Zweibrüggen im Jahre 1999 aus der Vogelperspektive. Foto: Stadt
Abb. 3: Die Mühle Zweibrüggen im Jahre 1999 aus der Vogelperspektive. Foto: Stadt

Im bereits erwähnten Jahre 1960 wurde Marian Blaszkowski auch Eigentümer der Mühle. Er betrieb sie letztlich bis zum Jahre 1974, bis die Wurm im Bereich Frelenberg-Zweibrüggen reguliert wurde. Die Mühle Zweibrüggen kann somit für sich in Anspruch nehmen, als letzte Mühle im Kreis Heinsberg gemahlen zu haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich im Bereich der Mühle Zweibrüggen auch eine Holzbrücke über die Wurm. Da sie sehr tief lag, wurde sie bei Hochwasser oft überschwemmt.

Im Jahre 1992 wechselte die mittlerweile stillgelegte Mühle das letzte Mal den Besitzer. Seit dieser Zeit gehört den Eheleuten Martin und Berti Heinrichs das Mühlenanwesen. Mit viel Zeit, Energie und Geld wurden dann die Gebäude aus ihrem desolaten Zustand wieder Schritt für Schritt befreit. Sogar das alte Mühlrad erlebte im Jahre 2002 seine „Wiedergeburt“. Auch ohne Wurm dreht es sich auf Knopfdruck - allerdings nur mit elektrischer Kraft. Das Mühlengelände ist darüber hinaus seit 1997 Ort des jährlichen Mühlenfestes, das die Dorfgemeinschaft Zweibrüggen im historischen Mühlenambiente gerne feiert.

Abschließend sei bemerkt, dass die beiden schweren Mahlsteine noch vorhanden sind, und zwar an zwei Anfahrtswegen zu zwei Hofgebäuden an der Zweibrüggener Dorfstraße.
(aus "Frelenberg-Zweibrüggen - wie es einst war" von Jürgen Klosa)

Die Zweibrüggener Mühle im Winter. Foto: Heinrichs
Abb. 4: Die Zweibrüggener Mühle im Winter. Foto: Heinrichs

An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass die Inhaberin der Zweibrüggener Mühle, Frau Berti Davids-Heinrichs auch imVerein "Westblicke e.V." als Gästeführerin tätig ist. Sie unternimmt Führungen zu interessanten Punkten in Übach-Palenberg (z.B. Mühle Zweibrüggen, Schloss Zweibrüggen, CMC) und Geilenkirchen. Es werden geplante Führungen in einem Programm angeboten, es können aber auch individuelle Führungen vereinbart werden. Alle weitere Informationen über www.westblicke.de.