Das Friedensmal in Rimburg

 

Ein Zeichen für Frieden und Völkerverständigung, an
der Wurmbrücke (von Rimburg nach Rimburg) gelegen

 
Das aktuelle Friedensmal in Rimburg mit seinen zehn Stelen. Foto: Stadt
Abb. 1: Das aktuelle Friedensmal in Rimburg mit seinen zehn Stelen. Foto: Stadt

Das gemeinsame Friedensmahnmal der evangelischen Kirchengemeinde Marienberg und den niederländischen Nachbarn aus Rimburg stand am Grenzstein Nr. 241 Marienberg/Rimburg und geht auf die Initiative von Pfarrer Poll zurück. Pfarrer Poll, selber in französische Kriegsgefangenschaft geraten (von November 1944 bis Mai 1947), sah gemeinsam mit dem niederländischen Bürgermeister – statt der neu geschaffenen Kriegsdenkmäler in der Nachkriegszeit, wie z.B. in Scherpenseel – in Mahnmalen zum Frieden hier vor Ort die neue eine Art der Völkerversöhnung und verbindenden Freundschaft. Dies sollte jedoch von Jugendlichen ausgeführt werden. Es gab zu der Zeit einen Kreisjugendkreis im ehemaligen Kreis Geilenkirchen-Heinsberg. Zu dem Jugendring gehörten die Sportjugend, der Arbeitskreis Evang. Jugend, der Bund der Katholischen Jugend (BdKJ) mit ihren Verbänden, die Sozialistische Jugend Deutschlands "Die Falken" und die Gewerkschaftsjugend.

Die Jugendlichen waren sich bewusst, dass der Friede und die Erhaltung des Friedens eine der wichtigsten Aufgaben waren. (Damals gehörten die Zollkontrollen am Grenzübergang Marienberg noch ganz selbstverständlich zum Alltagsverkehr.) Die verschiedenen Jugendgruppen hatten Kontakte zu den niederländischen Gruppen in Übach over Worms, Brunssum und Valkenburg aufgenommen. Es gab viele Schwierigkeiten zu überwinden, auch zollrechtliche Bestimmungen mussten beachtet werden. Die meisten Besprechungen fanden in der „Hütte der Begegnung“ in Marienberg statt. In Eigenleistung wurde z.B. der Standort des Mahnmals planiert. Die Jugendgruppen übernahmen die Finanzierung dieses Werkes selbst, erhielten aber auch Spenden durch den Kreisjugendring.

Für das Mahnmal hatte der Übach-Palenberger Landwirt Hubert Weerts ein Stück seiner Wiese am Grenzübergang zur Verfügung gestellt. Es stand also auf deutschem Boden an der niederländischen Straße.

Am 20. Sept. 1969 trafen sich über 200 deutsche und niederländische Jugendliche, um dort ein Mahnmal des Friedens einzuweihen, ein einfaches Mahnmal mit zehn Holzbohlen bzw. Stehlen im Halbkreis, das von weiteren Nationen jüngerer Generationen grenzübergreifend in ihren Heimatsprachen beschriftet werden sollten: „Wisset, die Euch den Hass lehren, befreien Euch nicht.“ Dieses Wort ist bewusst nicht der Bibel entnommen, sondern stammt von Marie Ebner von Eschenbach (1830-1914,Dudenzitate XII, S. 667).

Das Friedensmal in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts an seinem alten Standort. Foto: Ev. Kirche
Abb. 2: Das Friedensmal in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts
an seinem alten Standort. Foto: Ev. Kirche

Der junge Niederländer Franz-Josef Herberigs aus Heerlen und der junge Deutsche Rüdiger Scheer von der Jugendgruppe Setterich-Siersdorf sagten es in ihrer Landessprache: „Wisset, die Euch den Haß lehren, befreien Euch nicht.“ – „Leert, die U de Haat leren, zal U niet verlossen“. Weiter sagten sie: „Wir wählen diesen Spruch in dem Wissen, dass seine Wahrheit durch die Ereignisse der letzten drei Jahrzehnte deutlich dokumentiert wird. ...Durch die Schuld einzelner sowie durch die Mitschuld vieler wurden Gräben zwischen Völkern gezogen, so auch ganz besonders zwischen dem holländischen und dem deutschen Volk. Es ist unsere vordringlichste Aufgabe, Brücken zu bauen, ja, Gräben zu beseitigen, ...dass diese Vaterländer Holland und Deutschland zu einem Ganzen zusammenwachsen, das ist unser gemeinsamer Wunsch.“

Zur Einweihung dieses Mahnmals der Jugend spielten die „Oldtimer“ aus Geilenkirchen. Nach der Übergabe des Mahnmals fand im Ev. Jugendzentrum in Setterich ein Jugendabend mit buntem Programm, z. B. mit verschiedenen Beatbands statt.
Im Rahmen internationaler Begegnungen konnten nach und nach weitere Stehlen beschriftet werden.

Am 27. August 1972 schrieben Jungbergleute aus Hückelhoven den türkischen Text: „Nefrefi ögre tenlerin dedigini yapan serbest kalamaz.“

Nach einer internationalen Freizeitmaßahme kam der englische Text hinzu:
„Be aware of people who teach you to hate for they will not save you.“

Im Mai 1974 wollten auch französische junge Gymnasiasten aus der fernen Bretagne, hier als Gäste des Übach-Palenberger Gymasiums, Zeugnis gegenseitiger Verbundenheit ablegen. Die junge Lehrerin schrieb ihren Satz mit Kreide aufs Holz, der dann später eingefräst wurde: Sachez ceux qui vous font appendre la haine ne vous apportent pads le Salut.

Am 40. Jahrestag des Ende des zweiten Weltkrieges, am 8. Mai 1985, rief Pfr. Poll auf zu einem kurzen Schweige-Gang von der Marienberger Zollstation zum Friedensmal und zurück.

In Litauisch wurde 1988 dokumentiert: „SAUGO-KITES ZMONIQ KURIE SEJA NEAPY-KANTA, NES JIE JUSQ NEAP-SAUGOS“

Am 1. September 1989 folgte das Wort in Polnisch: „WIEDZIEĆ, ZE CI, KTÓRZY UCZOS WAS NIENOWIŚCI, NIE ZBOWIAS WAS“ – auf Initiative des Kulturringes Übach-Palenberg zum 50. Jahrestages des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 in Polen.

Zwei Aussiedlerinnen aus Polen waren damals Schülerinnen des Eichendorffkollegs in Geilenkirchen. Danuta Meka las den Text und schrieb ihn mit Kreide auf die Stehle. Es hatte bereits morgens um 5.45 Uhr einen Gottesdienst in der Erlöserkirche Übach zur Erinnerung an den Überfall auf Polen gegeben, am Abend dann einen ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche Frelenberg.
Aus Anlass der beunruhigenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa, im Iran und Irak (Kosovo, Golfkrieg) wurde die achte Stehle 1991 auf persisch beschriftet.

Das Friedensmal von 1969 geriet in Vergessenheit und war schließlich „verschwunden“, dem Verfall preisgegeben. Der Kulturausschuss ergriff die Initiative. Im Oktober 1992 wurde das Friedensmal vor der grenzüberschreitenden Feier: „10 Jahre Landgraaf“ und „25 Jahre Übach-Palenberg“ in neu gestalteter Form an einem neuen sichtbareren Standtort nahe Schloß Rimburg an der Wurmbrücke am „kleinen Grenzübergang“ zu den Niederlanden eingeweiht und eingesegnet.

Dies geschah zu einer Zeit des neu aufgekommenen Rechtskadikalismus nach der Wende (mit z.B. brennenden Heimen für Asylbewerber oder Beifall klatschenden Bürgern). Pfarrer Sannig sagte u.a. in seiner Ansprache: „Der Vorhang ist wieder aufgezogen, das Theater füllt sich wieder [...] Rechtsradikale sind zu Marionetten geworden. Sie denken nicht mehr selbst, sondern lassen sich ihre Gedanken vorschreiben, sie handeln und entscheiden nicht mehr selbst, sondern sie gehorchen ihren Verführern. Sie spielen das Stück: ‚Ausländer raus!‘“

Fest
Abb. 3: Fest "World of Friends" der Städt. Realschule Übach-Palenberg. Im Rahmen
dieses Festes kamen am 15.7.2004 neue Stelen in italienisch und
tschechisch hinzu. Foto: Stadt

Im Oktober 2005 wurde das Mahnmal um eine weitere, die neunte Stehle in Gälisch erweitert. Das Gälische ist die Ursprache der Schotten. Die Gäste aus Midlothian aus Schottland, der Partnerstadt des Kreises Heinsberg, setzten mit den seit 20 Jahren befreundeten Schwimmern des VfR Übach-Palenberg gemeinsam ein Zeichen: THOIRAN AIRE BHOW ALUCHD TEAGAISG AIONNSA ICHEAS DHUIT GRAINICH NO CHA SHABHALL RAD THU.

Die Beschriftung der zehnten Stehle erfolgte am 9. November 2008 und zwar in hebräischer Sprache. Hintergrund: Die von Pfarrer Sebastian Schade betreuten Konfirmanden beschäftigten sich mit der Situation der jüdischen Bevölkerung während der Nazi-Zeit in Übach-Palenberg. Und mit der Beschriftung der 10. Stele in Hebräisch wollte man auch ein eigenes Zeichen für den Frieden setzen.

Das Friedensmal, das heute an exponierter Stelle unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden steht, wird im Rahmen des völkerverbindenden Gedanken bei geeigneten Anlässen gern aufgesucht. Es ist wahrscheinlich und denkbar, dass es bei gegebener Veranlassung um weitere Stelen in noch festzulegenden Sprachen erweitert wird.

Pfarrer i.R. Hermann Poll und Superintendent Jens Sannig (sprechend) weihen am 9.11.2008 die Stele in hebräischer Sprache ein. Foto: Stadt
Abb. 4: Pfarrer i.R. Hermann Poll und Superintendent Jens Sannig (sprechend)
weihen am 9.11.2008 die Stele in hebräischer Sprache ein. Foto: Stadt

(Beitrag aus der Festschrift "50 Jahre Auferstehungskirche Übach-Palenberg - mit Ausnahme der letzten beiden Absätze - von Ursula Lochter, Pfarrer i.R. Hermann Poll, Superintendent Jens Sannig und Pfarrer Thomas Fresia)