Die Wurm (Fluss)

 

Ein natürliches Wahrzeichen von Übach-Palenberg

 
Blick ins idyllische Wurmtal zwischen Palenberg und Marienberg.

Die Wurm, der Fluss unserer unmittelbaren Umgebung, ist eines der landschaftsprägensten Elemente von Übach-Palenberg und verdient deshalb einer besonderen Betrachtung. Der Fluss kommt von Herzogenrath und „betritt“ bei Rimburg Übach-Palenberger Gebiet. Er fließt weiter zwischen Palenberg und Marienberg nach Zweibrüggen und Frelenberg und bahnt sich seinen Weg über Geilenkirchen und Heinsberg nach dem niederländischen Roermond. Bei Kempen mündet die Wurm in die Rur. Ab dieser Mündung fließt die Rur Richtung Roermond und mündet hier in die Maas. Insgesamt ist die Wurm 57 km lang und auf ihrer Talfahrt von ihrer Quelle im Aachener Wald am Fuß des Duisbergkopfes bis zur Mündung verliert sie 248 Meter an Höhe.

In früheren Zeiten hatte der Fluss noch eine größere Bedeutung. Allein auf Übach-Palenberger Gebiet wurden vier Mühlen von der Wasserkraft der Wurm angetrieben (Rimburger Mühle, Marienthaler Mühle bei Marienberg, Zweibrüggener Mühle und Frelenberger Mühle). Der naturgegebene Verlauf der Wurm (sehr gewunden und eines Wurmes ähnlich) ließen viele denken, dass der Name mit dem Wurmtier assoziiert wurde. Das wird aber von Historikern als Irrtum angesehen. Vielmehr leitet er sich von „warm“ ab (siehe nachfolgende Abhandlung hier).

Die Wurm in Übach-Palenberg im Winter 2007.

Das Wasser der Wurm ist heute wieder klar und rein, und durch diesen Umstand entwickelt sich auch die Flora und Fauna des Flusses mehr und mehr wieder in Richtung Artenreichtum. Das war nicht immer so; denn als im sogenannten Wurmrevier im 20. Jahrhundert noch der Steinkohlenbergbau an der Tagesordnung war, transportierte die Wurm eine „schwarze Brühe“, die vornehmlich aus den Abwässern der Zechen stammte. Vor allem in den 20er bis 40er Jahren des vorherigen Jahrhunderts konnte man dadurch den schwarzen Uferschlamm trocknen und zu Heizzwecken gebrauchen. Auch sonstige Abwässer der anliegenden Städten und Gemeinden belasteten den Fluss sehr.

Anfang der 70er Jahre wurde die Wurm begradigt, d.h. der geschwungene Flussverlauf verschwand zu Gunsten einer einfachen Trassenführung. Dadurch verkürzte sich einerseits die Flusslänge und andererseits nahm die Fließgeschwindigkeit zu. Für verschiedene Städte – so auch für Übach-Palenberg – bedeutete dies einen verbesserten Hochwasserschutz, für andere Bereiche der Wurm traf das wiederum nicht zu.

Mittlerweile hat sich die Einstellung durchgesetzt, dass die Wurm in Teilbereichen wieder „entgradigt“ werden soll. Eine solche Maßnahme wurde zwischen Geilenkirchen und Frelenberg bereits durchgeführt. Eine weitere ist kurzfristig von Zweibrüggen in Richtung Naherholungsgebiet Wurmtal (zwischen Palenberg und Marienberg) geplant. Durch diese Entgradigung wird der Flusslauf wieder verlängert, und in dessen unmittelbaren Bereich werden sich selbst überlassene Retensionsflächen geschaffen, d.h. Flächen, die bei Hochwasserzuständen in der Lage sind, viel Wasser aufzunehmen und so einen noch stärkeren Hochwasserschutz zu bieten.

Die Wurm nach starken Regenfällen, kurz vor dem

Kein See, sondern die Wurm bei Frelenberg im renaturierten Teil nach starken Regenfällen. Ein guter Hochwasserschutz.

Abschließend sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Wurm auch ein internationaler Fluss ist. Er bildet an einigen Abschnitten die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden. Als die Zeiten noch nicht „europäisch“ waren, war die Wurm stumme Zeugin von vielen Schmuggelgeschichten, die sich jeweils nach den beiden Weltkriegen abspielten. Besonders symbolträchtig dürfte dabei die Wurmbrücke bei Rimburg sein, die das in früheren Zeiten vereinte Rimburg heute in einen niederländischen und einen deutschen Teil trennt. Im Rahmen der Euregionale 2008 werden auf dieser Wurmbrücke bald zwei bronzene Schildkröten aufeinander „zugehen“. Das soll symbolisieren, dass es nicht immer friedliche Zeiten gab, aber heute für ein gemeinsames Europa gestritten werden soll. In unmittelbarer Nähe dieser Brücke befindet sich auch ein Friedensmal, deren Stelen auf verschiedenen Sprachen für den Frieden werben.

Die Wurm – ein verbindendes Element in der Euregio (Wurmtal) oder Namensgeber der ältesten Bergbauregion Europas (Wurmrevier) – ist auch für Übach-Palenberg ein natürliches Wahrzeichen. Ob seit altersher, heute oder in Zukunft: Ihr Wandel spiegelte und spiegelt zu allen Zeiten den Wandel der in ihrem Weichbild wohnenden Menschen wider.      (JK)

Naherholungsfaktor Wurm, dank der entlang der Wurm laufenden Radwege.
 

Die Wurm – die Bedeutung des Namens

- aus Rur-Wurm-Nachrichten vom 18.07.1964 -


Der bestimmende Fluss in unserer Stadt ist zweifellos die Wurm. Früher ein sich vielwindender Wasserlauf, in den Jahren 1970/71 durch den „Wasserverband Mittlere Wurm“ reguliert. „Markenzeichen“ der Wurm waren bis zu diesem Zeitpunkt die häufigen Überschwemmungen in den Niederungen des Flusses. Landläufig nimmt man an, dass der Bach seinen Namen wegen seiner vielen wurmförmigen Krümmungen erhalten hat, wozu dann die im Deutschen übliche weibliche Geschlechtsbezeichnung für Flüsse ihr Übriges getan habe. Zunächst überlieferte uns Einhard (Geschichtsschreiber Karls des Großen) im Jahre 827 den Namen der Wurm als „Vurmius fluviolus“ und im Jahre 973 tauchte der Bach dann als „Wurm“ und 1018 als „Worm“ auf.

Auf Karten des 16. Jahrhunderts bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts findet man die Wurm wieder als „Worm“. So heißt der Bach in der Mundart auch heute noch und lautet mit dem Namen des Wurmes völlig gleich. Welchen Ursprung der Name nun hat, legte der Geilenkirchener Heimatforscher Joseph Gotzen in einer Arbeit aus dem Jahre 1925 fest. Der Name Wurm geht daraufhin auf eine nichtdeutsche Wortwurzel „borm“, die dem lateinischen „formus“, unserem „warm“ entspricht und „sprudeln, sieden“ bedeutet.

Die Wurm vor zirka 50 Jahren in Übach-Palenberg. Wilde Romantik in schwarz-weiß.

Die Wurm hat also ihren Namen als „warmer Bach“ von den vordeutschen Bewohnern des Landes nach den warmen Quellen in Aachen erhalten, die ihre Abwässer in die Wurm entsandten und sie warm machten. Das war äußerlich gewiss daran zu erkennen, dass die „Wurm“ eine Strecke weit dampfte. Vielleicht hat man früher sogar die heißen Quellen in Aachen als den Ursprung der Wurm angesehen. Die Deutschen, das sind in diesem Falle die Franken, haben bei der Eroberung des Landes den Namen von den Bewohnern, den Kelten, übernommen. Durch den Übergang des anlautenden „b“ in „w“ - eine durchaus lautgesetzliche Erscheinung - glich sich der Name von selbst dem deutschen Wurm, niederdeutsch „worm“, an und wurde von den Deutschen gewiß auch so verstanden.

Durch Inschriften wissen wir, dass die Kelten eine Quellengottheit „Bormo“ auch „bormanus“ oder weiblich „Bormana“ verehrten. Ein Flüßchen „Worm“ befindet sich in Westengland auf ehemals keltischem Gebiet. Eine „Bormida“ fließt in Piemont in Italien. Denselben Namen trug auch ein kleiner Nebenfluss des Rheines, nach dem die alte Stadt Worms ihren Namen hat. Sie hieß im Altertum „Bormitomagus“ oder „Bormetomagus“ - „Feld an der Bormita“. Ein Bad „Bormio“ liegt im Veltlintal in den italienischen Alpen. Es hat warme Quellen wie Aachen.

Zu deutsch heißt der Ort „Worms“ und der Paß, der in das Tal von Bormio führt, heißt das „Wormser Joch“. Aus dem Umstand, dass ein Teil dieses Namens nicht auf keltischem, sondern auf ehemals ligurischem Gebiet vorkommt, hat man geschlossen, dass diese Namen ligurisch sind, und dass die Ligurer ehemals den größten Teil Westeuropas bewohnten, ehe sie von den nach Westen vordringenden Kelten unterjocht und verdrängt wurden. Demnach wäre auch der Name der „Wurm“ als ligurisch anzusehen. Indessen ist das vorläufig nur eine Vermutung, die allerdings manche Wahrscheinlichkeit für sich hat.

Auch die Bedeutung „borm - warm“ ist nicht unbedingt sicher. Da es sich bei den mit „Borm“ zusammengesetzten Namen keineswegs immer um warme Quellen handelt, ist es wohl möglich, dass das Wort lediglich „Quelle“, besonders „heilige Quelle“ bedeutet, und dass der von dort verehrte Gott Bormanus der „Quellgott“ war. Dass heiße Quellen besonders als heilig verehrt wurden, ist ja leicht zu verstehen. Nach dieser Ansicht, die sich so wenig zwingend beweisen lässt wie die erste, wäre also, wie der Geschichtsforscher erklärt, „auch der Name der Wurm als „Quelle“ zu deuten.“ Letztendlich kommt Joseph Gotzen doch zum Schluss, dass doch das Wort „borm - warm“ für den Namen unserer „Wurm“ Pate gestanden hat.

Ein weiteres Bild der Wurm auf Übach-Palenberger Gebiet in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.