Der Übach(fluss)

 

Besonderheiten und Geschichte des
namensgebenden Flusses unserer Stadt


Der Übach ist der namensgebende Fluss der ehemaligen Gemeinde Übach und heute der erste Name der Stadt Übach-Palenberg. Heute fristet er eher ein Dasein als Regenfluter bzw. stellt sein Bett für geklärte Abwässer zur Verfügung. Der ehemalige kleine Bach entsprang auf der Grenze zwischen Übach und Merkstein und floss durch Übach und mündete auf Palenberger Gebiet vorZweibrüggen in die Wurm.

Der Übach in seinem Bett in der Dammstraße. Foto: Stadt
Abb, 1; Der Übach in seinem Bett in der Dammstraße. Foto: Stadt

Vor allem im 19. Jahrhundert war er ein wichtiges Gewässer für die Menschen in Übach. Neben der Hauptquelle wurde er noch durch einige Nebenquellen gespeist. Erst der Bergbau sorgte dafür, dass der natürliche Übach verschwand. Bergtechnische Verwerfungen der Grube Adolf sorgten dafür, dass die Quelle immer schwächer wurde und Anfang der 30er Jahre definitiv versiegte.

Nur bei starken Regenfällen schwoll sein Bett an, und bei den Übachern ist noch manches Hochwasser - vor allem im Bereich des heutigen Rathausplatzes - in guter Erinnerung. Das Jahrhunderthochwasser im Mai 1982 sorgte schließlich dafür, dass der Ausbau des Bachbettes als Regenfluter so effektiv durchgeführt wurde, dass seit dem auf dem Rathausplatz kein Hochwasser mehr auftrat. Dafür sorgte auch das große Kastenprofil, das unter der Straße "An der Linde" (Durchfahrt vom Rathausplatz zur Friedrich-Ebert-Straße) bei Niederschlag große Wassermengen aufnehmen kann. Der Ausbau reicht weiter bis zum ehemaligen Zechengelände und beinhaltet heute das Flußbett entlang der Carolus-Halde bis zum Schroiffweg. Hinter dem heutigen Naherholungsgebiet mündet der Übach dann in die Wurm.

Das Jahrhunderthochwasser des Jahres 1982, das schließlich zum Ausbau des Übachs führte, so wie er sich heute darstellt. Foto: Stadt
Abb. 2: Das Jahrhunderthochwasser des Jahres 1982, das schließlich zum Ausbau
des Übachs führte, so wie er sich heute darstellt. Foto: Stadt

Untenstehend kann zur Geschichte des Übachs eine Schilderung gelesen werden, die von Rektor Karl Kuhl stammt, der den Übach mit seinem Wasserreichtum und seiner Bedeutung für Übach noch kennengelernt hat. Es ist ein wertvoller Blick in die Vergangenheit und zeigt, dass der Übach einst - wie oben schon erwähnt - für die Einheimischen von großer Bedeutung war.


Der Übach -
Ein Bachlauf plaudert aus der Heimatgeschichte

Von Karl Kuhl (geschrieben 1955)

Die Großgemeinde Uebach-Palenberg ist blühender und lebendiger als je zuvor, aber "der Uebach" existiert schon lange nicht mehr. Das verdankt er der benachbarten Zeche Adolf. Bei dem Ausbau dieser 1898 abgeteuften Kohlengrube ließ die Quelle des Baches allmählich nach, bis sie gegen 1930 völlig versiegte. Sie befand sich unweit der Grenzscheide der Gemeinden Uebach und Merkstein am Fuß des hügeligen "Herbacher-", d.h. Uebacher Waldes, an "der langen Heck", wie der Volksmund diese Stelle nannte. Seit dem Versiegen des einst wasserreichen Baches wälzen sich in seinem alten Bett die graubläulichen Abwässer der genannten Zeche und lassen den guten alten Uebach nur noch in der Erinnerung wach.

Der Übach im Jahre 1962 in der Dammstraße. Foto: Stadtarchiv
Abb. 3: Der Übach im Jahre 1962 in der Dammstraße. Foto: Stadtarchiv

Der Rittersitz Weyenberg
In der Erinnerung leben aber auch die ortsgeschichtlichen Stätten, mit denen der alte Bach auf seinem kaum drei km langen Lauf zur Wurm in Berührung kam. Da war zunächst einer der sechs ehemaligen, zu Uebach gehörenden Rittersitze, der Rittersitz Weyenberg. Er lag im Gelände des heutigen Gutshofes gleichen Namens, in der Nähe des Schwimmbades. Nach etwa 400 m langem friedlichem Lauf am Waldhange entlang speiste der Uebach den rings um den Rittersitz Weyenberg führenden Wassergraben und den vorgelagerten Teich.

Was sich in den Mauern dieses alten Sitzes abgespielt hat, ist leider in den Annalen der Ortsgeschichte nicht vermerkt. Um das Jahr 1608 saß hier ein Ritter namens Johann von Gerkens, der auch Sinzig genannt wurde. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1643 verkaufte Johann von Gerkens seinen Rittersitz für 4.300 Taler an Leonhard Melchers zu Stegh und an Martin Plum, wodurch dieser Adelssitz in bürgerliche Hände kam. (Nebenbei bemerkt muss der Letztgenannte einer reichen Familie angehört haben, da ein Peter Plum 1606 und wenige Jahre später, 1614, einen Teil und nachher den anderen der 1. Hälfte des bereits vor dem 17. Jahrhundert geteilten Rittersitzes Stegh für 2.113 bzw. 4.600 brabantische Gulden von den damaligen Besitzern Freiherrn von Weyenhorst und Freiherrn Ulrich von Hoen zu Honsbroich bzw. Freiherrn von Spies zu Schweinsheim gekauft hatte.

Etwa 60 m unterhalb des Rittersitzes Weyenberg erhielt der Uebach seinen ersten Zufluss aus dem altbekannten Klingelpütz, der auffallender Weise noch heute sein wohlbekömmliches Wasser hergibt, während alle anderen Quellen im Weichbilde Uebachs infolge der sich steigernden Bodensenkungen nicht mehr sprudeln.

"Em Broch"
Unmittelbar nach diesem Zufluss erreichte der Uebach ein breites Sumpfgelände, dessen ehemalige Stelle im Volksmund heute noch "em Broch" genannt wird. Der Zugang zu diesem Bruch war von "der Gaet", der heutigen Rimburgerstraße aus, die in ihrer unteren Hälfte ehemals nur eine Viehtrift war. Eine Viehtrift bildete bereits den Anfang des Bruches, das den Uebacher Bauern als öffentliche Viehweide zur Verfügung stand. Hier wurde bis Ausgang des vorigen Jahrhunderts von der St. Sebastianus-Schützengesellschaft der Königsvogel geschossen. Auch spielte sich hier längere Zeit hindurch der Kirmestrubel ab. Am Ende des Bruches mündete der Uebach in einen großen Weiher von etwa 250 m Länge und 80 m Breite. Diese Wasserfläche dehnte sich zwischen dem Tomberg und dem diesem gegenüberliegenden Höhenstreifen bis in die Nähe des Linden-, jetzigen Rathausplatzes aus. Sie nahm also das ganze Gelände ein, das jetzt von der promenadenartigen Dammstraße und den Grünanlagen am Fuß des Tombergs durchschnitten wird. Nur ein schmaler Unterpfad stellte die Verbindung her zwischen dem Bruch und dem Unterdorf, wie die Alten heute noch den westlich vom Rathaus gelegenen Teil von Uebach nennen. Das Bruch wie auch der Mühlenweiher dienten dazu, den noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts angebauten Flachs zu "rösten". Von Hölzern beschwert, wurde der Flachs längere Zeit, meist den ganzen Winter hindurch, unter Wasser gehalten, um so den notwendigen Zersetzungs- und Verwesungsprozess vor seiner Weiterverarbeitung zu beschleunigen.

Der Übach im Bereich des Naherholungsgebietes Wurmtal. Foto: Stadt
Abb. 4: Der Übach im Bereich des Naherholungsgebietes Wurmtal. Foto: Stadt

"Op et Mölke"
Am Ende des Mühlenweihers erreichte der Uebach einen zweiten Rittersitz, Mühlenbach. Auch dieser sah auf ein beträchtliches Alter zurück und hat in der Chronik ebensowenig Spuren seines Daseins hinterlassen wie alle Uebacher Rittersitze. Im 17. Jahrhundert stand von diesem urkundlich schon 400 Jahre vorher erwähnten Sitz nur noch der Hof, auf dem sich eine Mühle befand. Später wurde der breite Weiher verkleinert und gleichzeitig das alte Bachbett verlegt. Bei dieser Gelegenheit wurde anstelle der alten eine neue Mühle errichtet, deren Rad noch bis 1875 lief. Das Mühlengebäude selbst stand bis in unser Jahrhundert hinein und wurde im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts erst abgebrochen. Da Anwesen hieß im Volksmund "op et Mölke". Unter dieser Überschrift hat Amtmann Esser in Nr 23 der Westdeutschen Grenzpost vom Jahr 1932 einen ausführlichen, interessanten Beitrag über die Uebacher Mühle veröffentlicht. Es braucht darum hier nicht näher darauf eingegangen zu werden. Bemerkt sei aber, dass in einer Urkunde vom Jahre 1231 die Rede von zwei Uebacher Mühlen ist. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass neben der Mühle beim Rittersitz Mühlenbach in ältester Zeit vorübergehend noch eine zweite Mühle beim Rittersitz Weyenberg in Betrieb war.

Überschwemmungsnot im Unterdorf
Hinter der Mühle am Linden- bzw. Rathausplatz ergossen sich die Wasser des Uebachs quer über die Hauptdurchgangsstraße, etwa am jetzigen Eingang in die CarolusMagnus-Straße. An dieser Stelle wurde dgr Bach durch einen zweiten Fluss verstärkt. Das "Pützgen", eine starke Quelle auf dem Burgplatz, bildete diesen "Nebenfluss" in einer Wasserrinne, die am rechten Rande der unteren Talstraße verlief und damit der Straße den Namen "de Sief' gab. An der überfluteten Straßenstelle im Unterdorf mussten alle Fahrzeuge den Bach durchfahren. Für die Fußgänger war seitwärts, am alten Hause "Wynands am Bach", durch eine dicke Bodenschwelle mit Geländer ein Sieg geschaffen.

Bis 1982 waren Überschwemmungen des Übachs an der Tagesordnung. Wobei man sagen muss, dass der Übach - den es im Grunde ja nicht mehr gab - hier überschwemmte, sondern die Regenabwässer in dem zu kleinen Bachbett und den für die Menge zu geringen Abfließmöglichkeiten im Rahmen des dann logischen Rückstaus besonders für Hochwasser im Bereich der Carolus-Magnus-Straße, Talstraße und Rathausplatz führten. Foto: Stadtarchiv
Abb. 5: Bis 1982 waren Überschwemmungen des Übachs an der Tagesordnung.
Hier sehen wir eine im Jahre 1953. Wobei man sagen muss, dass der Übach
- den es im Grunde in seiner ursprünglichen Form ja nicht mehr gab -
hier nicht überschwemmte, sondern die Regenabwässer in dem zu kleinen
Bachbett und den für die Wassermenge zu geringen Abflussmöglichkeiten im Rahmen des
dann logischen Rückstaus für Hochwasser besonders im Bereich der
Carolus-Magnus-Straße, Talstraße und des Rathausplatzes sorgten. Foto: Stadtarchiv

Schon in ältester Zeit gab es bei den Bewohnern des Unterdorfes mancherlei Klagen über die bei jedem Unwetter eintretenden Überschwemmungen an dieser Stelle. Dann verwandelte sich die ganze Gegend in einen See. Vom Kirchberg bis zur jetzigen Apotheke ergoss sich das Wasser in die Keller und die unteren Räume der Häuser. Richteten sich die Klagen in alter Zeit gegen den Müller, der bei jedem Wasserhochstand im eigenen Interesse die Schleuse des Mühlenweihers öffnete, so erwartete man bis in unsere Zeit hinein Abhilfe von der Gemeindeverwaltung oder der Gewerkschaft Carolus Magnus, über deren Gelände der Uebach weiterfloss. Deren Maßnahmen werden aber auch zukünftig kaum ausreichen, das Übel der Überschwemmungen an dieser tiefen Stelle ganz zu beseitigen, wenn man nicht weit oberhalb im Uebachtal, aus dem das meiste Wasser zu erwarten ist, endlich den schon seit Jahren geplanten Staudamm errichtet.

Die Benden
Auf seinem weiteren Lauf bis zur Wurm, in die er unterhalb Palenberg mündete, durchquerte der Uebach ein idyllisches Wiesental zwischen Uebach und Bersitten, die Uebacher und Bersitter Benden, die heute ganz von den Anlagen und Siedlungen der Zeche Carolus Magnus ausgefüllt sind. Im Sommer lieferten diese Benden in reichstem Maße Heu, nach dessen Ernte das Tal als Viehweide freigegeben wurde. Ein Teil des Tales hieß "die Jülicher Benden". Wahrscheinlich war hier die Grenzscheide zwischen den Herzogtümern Jülich und Brabant vielleicht aber auch hatte ein Bewohner im nachbarlichen Jülicher Herzogtum einen Teil der Uebacher Benden im Besitz. Uebach gehörte nach der fränkischen Zeit in dem wechselvollen Spiel unseres Grenzgebietes eine Zeitlang zum Herzogtum Brabant, während Bersitten, Gemeinde Frelenberg, um diese Zeit zum Herzogtum Jülich gehörte. In diesen Benden vor dem bewaldeten Höhenzug des Heidberges erbreiterte sich das Bachbett beträchtlich.

Streit um Jagd und Fischfang

In seinem von hohen Erlensträuchern beschatteten kühlen Wasser tummelten sich in großer Zahl schwere Fische, für deren Fang ein besonderes Recht bestand.

Die Ausübung der Jagd einschließlich der Fischerei in der "Bank Uebach" war im 17. und 18. Jahrhundert oftmals Streitobjekt zwischen der Äbtissin von Thorn als Grundherrin von Uebach und den Herren von Rimburg bzw. dem Abte des Klosters Rolduc. Mehrfach mussten das Gericht in Uebach und höhere Stellen Entscheidungen in diesem Streit fällen. Geschichtsschreiber und Archivar Hansen vom Schloss Rimburg hat in seinem 1912 in der Aachener Verlagsdruckerei erschienenen Buche "Die Rimburg" diesen Rechtsstreit ausführlich beschrieben. Aufschlussreich ist hierbei eine Episode aus dem Jahre 1705. Als der Abt Johann von Thiennes (Rolduc) mit dem Schlosskaplan und einem Diener "unter Uebach" jagte und der Aufforderung des Jägers der Äbtissin von Thorn, das Jagdgebiet zu verlassen, nicht Folge leistete, rief der Jäger die Bauern von Uebach zusammen, die "mit gaffeln, sichthaken, ende andere gevaerlijke instrumenten den caplan met des sichthaeken soodanich le lyve vielen dat hy met perykel van aneluk sich seines lijffs verwehren" = frei übersetzt, mit Mistgabeln, Sichthaken und anderen gefährlichen Instrumenten dem Kaplan so zu Leibe rückten, dass er sich nur unter größter Gefahr seines Lebens wehren konnte.

Erinnerungen an die Bockreiterzeit

Die letzte ortsgeschichtliche Station unseres verschollenen Uebachs war der Galgenberg. Er befand sich unweit Bersitten auf der linken Anhöhe der jetzigen Bergstraße im heutigen Zechengelände. Die nordwestlich der Bergstraße gelegene Feldmark nennen die Landwirte jetzt noch "am Galgenberg". Hier sühnten in der Bockreiterzeit, in den Jahren 1734 bis 1756 und 1762 bis 1776 die im Gerichtsspiel Uebach ergriffenen Räuber durch Erhängtwerden ihre Schandtaten. Es waren ihrer nicht wenige aus Uebach selbst, denn hier wie in vielen anderen Orten zwischen Maas, Roer und Wurm hatten sich manche verwegene Männer den wohlorganisierten Banden angeschlossen. In früherer Zeit mussten sich deshalb die Uebacher den Beinamen "Die Bockreiter" gefallen lassen.

Das Übachbett im Winter. Foto: Stadt
Abb. 6: Das Übachbett im Winter. Foto: Stadt