Römerstraße Via Belgica - Projektabschnitt Übach-Palenberg

 

Hintergrund und Projektkontext

"Eine Zentralstelle des [römischen] Wegenetzes in unserer Gegend bildete, sowohl nach der Peutingerschen Tafel wie nach dem Itinerar [des Antonin], der Heerweg von Bavay über Tongern, Maastricht, Heerlen und Jülich nach Cöln.,,1 In seinem 1912 erschienenen Buch über die Burg und die Gemeinde Rimburg unterstreicht Schlosskaplan Hanssen die historische Bedeutung der via belgica als überregionale Verkehrsachse mit Handelsfunktion und als Heerstraße und verfolgt die lokale Geschichte der .herstraet" und ihren Verlauf bis ins frühe 19. Jahrhundert. Reste eines römischen Brückenbauwerkes und Fundamentmauern von Häusern des römischen vicus bei Rimburg traten 1926 bei Grabungen von Dr. Otto Eugen Mayer" und bei der Wurmregulierung Anfang der 70er Jahre zu Tage.
 

Dr. Mayer vor römischen Hausfundamenten 
Dr. Mayer legte bei Grabungen 1926 römische Hausfundamente frei


Der Straßenkörper der via belgica selbst konnte 1970 im Zuge der Bauarbeiten für die niederländische Kläranlage freigelegt und untersucht werden." Neuere archäologische Befunde
 

weisen die via belgica und eine römische Ansiedlung in Baesweiler wie auch oberhalb des Herbacher Waldes in Übach nach.
Zwei weitere Faktoren gaben im Jahre 2005 für die drei Kommunen Baesweiler, Übach-Palenberg und Landgraaf den Ausschlag für ein grenzüberschreitendes Projekt, das die beiden vi ci bei Baesweiler und Rimburg und die via belgica als Verbindungselement zu einem .Archäopark" zusammenfassen sollte.


Querschnitt durch die via belgica 1970 bei Arbeiten zur niederländischen Kläranlage
Querschnitt durch die via belgica 1970 bei Arbeiten zur niederländischen Kläranlage


Zum einen hatte die Provinz Limburg für den Wegeabschnitt zwischen Maastricht und Landgraaf bereits eine Zukunftsvision zur Präsentation der via belgica und ihrer Geschichte entwickelt, zum anderen wurden im Rahmen der EuRegionale 2008 zahlreiche kommunale Projekte angestoßen. Unter dem Arbeitstitel "via belgica, vi ci romani" erarbeiteten die Büros ADe Heritage, NL - Amersfoort; DLA+, NL - Groesbeek, und DTP Davids, Terfrüchte und Partner, D - Essen, mit Unterstützung des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, der EuRegionale-Agentur und des Aachener Büros BKR einen Masterplan für dieses binationale kulturtouristische Gemeinschaftsprojekt der drei Kommunen.
 

 

Projektidee und Projektziele

Der Masterplan "via belgica, vi ci romani" formuliert als grundlegende Idee des Projektes: "Ein landschaftsarchitektonisch hochwertig gestalteter Archäologischer Park soll grenzüberschreitend die linienhaften Relikte der römischen Straße Köln - Boulogne-sur-Mer und die flächenhaften Relikte ziviler römischer Siedlungen bei Baesweiler und Übach-Palenberg/Landgraaf auf neuartige Weise präsentieren. Dieser Archäopark schließt an die von der Provinz Limburg z.Zt. entwickelte Zukunftsvision für die via belgica auf niederländischem Gebiet an und ist eingebunden in eine transnationale Konzeption, die auf Sichtbarmachung der historischen Wegeführung auf ca. 100 km Länge und deren touristische In-Wert-Setzung im Zuge einer Themen-Route abzielt."
Gleichzeitig soll der .Archäopark" die EuRegionale 2008 - Projekte .Carl-Alexander-Park" in Baesweiler, das "Grenzland Wurmtal" der HÜLK-Kommunen Herzogenrath, Übach-Palenberg, Landgraaf und Kerkrade und die grenzüberschreitende .Grünmetropole" mit ihren beiden touristischen Routen verknüpfen und damit vielfältige Möglichkeiten für neue Synergien eröffnen. Während die via belgica von Osten nach Westen verläuft, sind sowohl die Grünroute, die zahlreichen Einzelprojekte des "Grenzland Wurmtal" (u.a. Eurode Park, Brückenschläge, Renaturierung Wurm)


Geplante Klangbrücke im Wurmtal bei Zweibrüggen
Geplante Klangbrücke im Wurmtal bei Zweibrüggen 
 

als auch die vorhandenen kulturhistorischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten (z.B. Burg Rode, Abtei Rolduc, Baalsbrugger Mühle, die Schlösser und Mühlen in Rimburg und Zweibrüggen, Naherholungsgebiet Wurmtal, Dohmen Park) am Verlauf der Wurm von Süden nach Norden ausgerichtet. Der Bereich Rimburg stellt den Schnittpunkt dieser Projekte dar und könnte sich so zu einer euregionalen Drehscheibe entwickeln.
Verbunden mit diesen generellen Vorstellungen sind die einzelnen Projektziele: Visualisierung römischer Geschichte und Einbindung historischer Elemente, Steigerung der landschaftlichen Attraktivität und der touristischen Anziehungskraft, Förderung grenzüberschreitender Kontakte insbesondere im Jugendbereich, Erhöhung der Identifikation der lokalen Bevölkerung mit ihrer Heimat und deren Geschichte.
Das bedeutet aber auch, dass die beiden vi ci und der diese verbindenden Wegeabschnitte der via belgica zwar als Teil der Gesamtroute erkennbar sein müssen, aber dennoch über ein eigenes Profil und eine eigene Identität verfügen müssen. Die nachfolgenden Überlegungen zu konkreten Gestaltungsmaßnahmen beziehen sich auf die via belgica zwischen Boscheln und Rimburg und auf das vicus Rimburg und greifen ebenfalls Überlegungen auf, die vom örtlichen Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege an die Stadtverwaltung herangetragen wurden.

 

Projektelemente via belgica

Punktuelle Markierungen sollten den Verlauf der via belgica hervorheben, sichtbar und erlebbar machen. Dies kann auf den einzelnen Streckenabschnitten auf unterschiedlichste Weise geschehen. Eingangsbereich Boscheln: Möblierung Verteilerkreis David-Hansemann-Str.lNikolaus-Becker-Straße, Meilenstein mit Entfernungsangaben bzw. Informationen, ggf. durchgängige Geschichte auf allen Meilensteinen
Brünestr.lFriedensstr.: Straßenschilder mit Ergänzung "via belgica", Linienführung im Gehsteig, Namensgebung der GHS, Blumenstr/Josef-van-der-Velden-Str.: Möblierung Verteilerkreis Verkehrsinsel Thornstraße/Friedensstraße: römischer Torbogen
Feldweg verlängerte Friedensstraße/Herbacher Wald:
Allee mit Speierlingen als Grünband (ggf. Festsetzung über B-Plan), Berücksichtigung römischer Aspekte in einem zukünftigen Baugebiet, Rekonstruktion der Straße sowie Sitz- und
 

Gestaltungselemente können den Verlauf der via belgica veranschaulichen
Gestaltungselemente können den Verlauf der via belgica veranschaulichen


Informationsmöbel bzw. Aufbauten in Querungsbereichen als Wegmarken, punktuelle Markierungen durch Meilensteine, Trassenfreistellung durch den Herbacher Wald
Feldgemarkung Übach - Rimburger Wald: Übergang Übach als Brückenrekonstruktion, punktuelle Markierung durch Meilensteine in der Feldflur und im Rimburger Wald
Projektelemente vicus Rimburg
Das Gestaltungskonzept für den Archäopark vicus Rimburg wird mitbestimmt durch Auflagen des Denkmal- und des Hochwasserschutzes. Unabhängig von der zurzeit nicht lösbaren Eigentumsfrage findet sich im Masterplan die Idee, durch gezielte Baum- und Heckenanpflanzungen und durch die Anlage von Feldergärten mit den Römern bereits bekannten Gemüse- und Getreidesorten die Standorte, Umrisse und Größenordnung des vicus, seiner Gebäude und Gärten ebenso darzustellen wie den historischen Verlauf der Via Belgica durch begrenzte lineare Bodenwarften.
Auch hier sollen Wegmarken zusätzliche Informationen geben. Seitens des Vereins für Denkmalschutz wurde in 1981 ein Römerbrücken-Denkmal angeregt.
 

 Masterplan, Stufe 1 - Konzept für den Bereich des vicus Rimburg
Masterplan, Stufe 1 - Konzept für den Bereich des vicus Rimburg


Literatur

 1) Die Rimburg", H.Hanssen, Aachener Verlags- und
  und Druckerei-Gesellschaft, Aachen, 1912, S.8ff;
 2) vgl. "Die Römerstraßen der Rheinprovinz", Joseph Hagen,
  Kurt Schroeder, Verlag, Bonn, 1931, S214 f.;
 3) vgl."Archeologische kroniek van Limburg over
  de jaren 1969-1970" J.H.F.Bloemers, S.59f;
 4) "Masterplan via belgica, vi ci romani, Stufe 1", Juni 2005, S.7 
 

Stadt Übach-Palenberg, Stadtentwicklungsamt, Rathausplatz 4, 52531 Übach-Palenberg