Demografischer Wandel in Deutschland

 

Deutschland bewegt sich!
Es stellt sich nur die Frage, wohin?

 

Demografischer Wandel in Deutschland
Deutschland bewegt sich! Es stellt sich nur die Frage, wohin?

- Deutsche Frauen sind bei ihrem ersten Kind durchschnittlich 29 Jahre alt – und
   damit Europas älteste Mütter.

- Auswanderung lässt Deutschland schrumpfen.

- Bei der derzeitigen niedrigen Geburtenrate und ohne Einwanderer hätte
   Deutschland bis zum Jahr 2100 nur noch 24 Millionen Einwohner.

- Gemessen an der derzeitigen Einwohnerzahl steht Deutschland weltweit auf
   Platz 14. Im Jahr 2050 werden wir schätzungsweise nur noch Platz 26 belegen.

- Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 37 Prozent der Bevölkerung in
   Deutschland über 60 Jahre alt sein

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ist – wie auch in vielen anderen Industriestaaten – rückläufig. Sterbefallüberschuss, weniger Zuwanderung, niedrige Geburtsraten und eine noch weiter steigende Lebenserwartung führen dazu, dass die Bevölkerung Deutschlands zurückgeht und altert.

 Diagramm

Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Heute leben in Deutschland etwa 82 Millionen Menschen, 2060 werden es voraussichtlich nur noch 65 bis 70 Millionen sein. Daneben kommt es zu erheblichen Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Heute sind 20% der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Bereits in den kommenden beiden Jahrzehnten wird der Anteil älterer Menschen deutlich steigen. "Im Jahr 2060 wird dann jeder Dritte mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben - jeder Siebte wird sogar 80 Jahre oder älter sein".

 Die Bevölkerung geht zurück, weil die Zahl der Geburten bis 2060 stetig sinken und die Zahl der Sterbefälle bis Anfang der 2050er Jahre ansteigen wird. Das jährliche Geburtendefizit, also der Überschuss der Sterbefälle über die Geburten, wird bis 2060 auf mehr als das Dreifache zunehmen (2008: 162 000, 2060: je nach Variante 527 000 oder 553 000). An dieser Entwicklung hat die  aktuelle Altersstruktur der Bevölkerung einen erheblichen Anteil. Der Bevölkerungsrückgang kann weder durch Zuwanderungsüberschüsse aus dem Ausland noch durch eine etwas höhere Kinderzahl je Frau aufgehalten werden.

 Zur Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren gehören heute etwa 50 Millionen Menschen. Im Jahr 2060 werden es, je nach Ausmaß der angenommenen Zuwanderung, 27% oder 34% weniger sein. Dagegen wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren nach 2020 sehr stark ansteigen, weil dann die geburtenstarken Jahrgänge in dieses Alter kommen. Damit wird auch der Altenquotient - die Anzahl der Menschen im Rentenalter je 100 Personen im Erwerbsalter - erheblich zunehmen. Heute kommen 34 Senioren im Alter von 65 Jahren und mehr auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. 2030 werden es bereits über 50 sein und 2060 dann, je nach Vorausberechnungsvariante, 63 oder 67. Für die Altersgrenze 67 Jahre wird der Altenquotient 2030 je nach Variante 43 oder 44 betragen und 2060 56 oder 59; heute liegt er bei 29.

Folgende Annahmen liegen den Überlegungen zugrunde: Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt annähernd konstant bei 1,4 Kindern je Frau. Die Lebenserwartung Neugeborener wird bis zum Jahr 2060 für Jungen um etwa 8 Jahre auf 85,0 Jahre und für Mädchen um etwa 7 Jahre auf 89,2 Jahre zunehmen. Zum jährlichen Wanderungssaldo (Unterschied zwischen den Zuzügen aus dem Ausland und den Fortzügen in das Ausland) wird in der einen Variante angenommen, dass er auf 100 000 Personen im Jahr 2014 steigt und dann konstant bleibt. In der zweiten Variante steigt er bis 2020 auf 200 000 und bleibt dann bei diesem Wert


Die Bevölkerungszahl in Nordrhein-Westfalen

Die Bevölkerungszahl in Nordrhein-Westfalen ist in den 1950er- und 1960er-Jahren stark angestiegen. In den 1970er- und 1980er-Jahren folgte eine Phase des Stillstands und des zeitweiligen Rückgangs, bevor es in den 1990er-Jahren bis zum Jahr 2004 erneut zu einer rasanten Bevölkerungszunahme kam. Diese hat dazu geführt, dass die Bevölkerung zwischen 1990 und 2004 um fast eine Millionen Menschen bzw. 5,7 % angewachsen ist. Seit 2004 ist die Bevölkerungszahl wieder leicht rückläufig und umfasste am 1.1.2008 rund 18,0 Millionen Menschen.

Graphik: wir werden weniger...

Der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung, die auf dem Bevölkerungsstand zum 1.1.2008 basiert und Entwicklungsperspektiven bis 2050 (Landesebene) bietet, liegen drei Annahmen zugrunde:

• Die Geburtenrate bleibt mit rund 1,39 Kindern je Frau in Nordrhein-Westfalen in Zukunft auf dem Stand von 2007.

• Für die Entwicklung der Lebenserwartung wird angenommen, dass es zukünftig zu einem langsameren Ansteigen der  Lebenserwartung kommt, so dass im Jahr 2050  die Lebenserwartung im Landesdurchschnitt für weibliche Neugeborene bei 87,5 Jahren und für männliche Neugeborene bei 83,3 Jahren liegt.

• Hinsichtlich der nordrhein-westfälischen Wanderungen wird von einem jährlichen Zuwanderungsgewinn von 10 000 im Jahr  2011,  von 12 000 Personen 2012, von  15 000 2013 und von 18 000 Personen 2014 ausgegangen. Ab 2015 wird mit einem jährlichen Zuwanderungsgewinn von 20 000 Personen gerechnet.
 
Bewahrheiten sich diese Annahmen, so wird die Einwohnerzahl in Nordrhein-Westfalen weiterhin stetig zurückgehen. Es muss damit gerechnet werden, dass die Einwohnerzahl in Nordrhein-Westfalen bis zum 1.1.2025 auf 17,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zurückgehen wird. Bis zum 1.1.2050 wird die Bevölkerung weiter auf 15,9 Millionen sinken.

Somit verringert sich die Bevölkerungszahl Nordrhein-Westfalens zwischen 2008 und 2050 voraussichtlich um mehr als zwei Millionen Menschen bzw. um 11,5 %.


Die Altersstruktur in Nordrhein-Westfalen

(Quelle: Der demografische Wandel in Nordrhein-Westfalen, Daten und Fakten)

In der Vergangenheit war die Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen durch einen hohen Anteil an jungen Menschen und einen relativ geringen Anteil an älteren Personen gekennzeichnet.
Doch das Verhältnis zwischen Jüngeren und Älteren hat sich im Laufe der Zeit immer mehr hin zu den Letztgenannten verschoben. Zwischen 1990 und 2008 ist der Anteil der Personen im Alter von 60 und mehr Jahren von 20,8 % auf 25,0 % angestiegen. Der Anteil der Hochbetagten, also der Personen, die 80 Jahre und älter sind, hat sich dabei von 3,6 % auf 4,8 % erhöht.

Auch in Zukunft dürfte sich dieser Trend weiter fortsetzen. Bis zum Jahr 2025 rechnet  IT.NRW mit einem Anstieg des Anteils der 60-Jährigen und Älteren auf 32,4 %. 2050 sind aller Voraussicht nach sogar 38,4 % der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens 60 Jahre und älter. Der Anteil der Hochbetagten wächst ebenfalls weiter an. 2025 wird er voraussichtlich bei 8,0 % und 2050 bei 14,5 % liegen.

Im Gegenzug wird sich die Zahl der Jüngeren verringern. Betrachtet man die Altersgruppe der unter 20-Jährigen, so ist zwischen 1990 und 2008 nur ein leichter Rückgang von 20,8 % auf 20,4 % zu erkennen. Bis 2025 werden die unter 20-Jährigen allerdings nur noch 17,1 % der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens darstellen, 2050 nur noch 15,5 %.

Der Anteil der 20- bis unter 40-Jährigen hat sich zwischen 1990 und 2008 von 31,5 % auf 24,6 % verringert, während der Anteil der 40- bis unter 60-Jährigen von 26,8 % auf 30,0 % zugenommen hat. 2025 wird der Anteil der 20- bis unter 40-Jährigen bei 23,9 % liegen, 2050 bei 21,0 %. Der Anteil der Personen zwischen 40 und unter 60 Jahren wird bis 2025 wieder auf 26,6 % sinken und 2050 25,1 % der Bevölkerung umfassen.

 Grahik: Altersstruktur NRW

Der demographische Wandel stellt zweifellos mittel- und langfristig eine der wichtigsten Herausforderungen für die Raum- und Stadtentwicklung dar. Die demographischen Veränderungsprozesse sind nicht mehr aufzuhalten, sie sind allenfalls graduell beeinflussbar. Der sich aus dem demographischen Wandel ergebende Handlungsbedarf wird deshalb für die nächsten Jahrzehnte nicht mehr von der politischen Tagesordnung verschwinden.

Die Entwicklung der Bevölkerungszahl der heute unter 20-Jährigen ist in dreierlei Hinsicht von Bedeutung:

1.  Die heute unter 20-Jährigen sind die potentiellen Eltern von Morgen.
2.  Sie gehören dann bzw. zeitgleich zur schrumpfenden Gruppe der erwerbsfähigen Bevölkerung.
3.  Sie müssen die Pflegeleistung der alten und hochbetagten Bevölkerung gewährleisten.


Der Anstieg der über 65-Jährigen in den kommenden Jahren stellt

1.   einerseits die Versicherungssysteme vor „besondere“ Herausforderungen,
      Stichwort: Finanzierung,
2.   andererseits die Kommunen vor die Aufgabe der Anpassung der
      notwendigen Infrastruktur und

3.   die Gesellschaft insgesamt vor die Frage der angemessenen pflegerischen
      Versorgung insbesondere der Hochbetagten.

Es ergibt sich eine „demografische Unmöglichkeit“:

1.   Die Heranwachsenden sollen ausreichend viele Kinder bekommen,
       um den Fortbestand der Bevölkerung zu sichern,
2.   die Kinder erziehen,
3.   über eine hohe Erwerbsbeteiligung die notwendigen Produktivitätssteigerungen für
      den Erhalt der Versicherungssysteme erwirtschaften und
4.   eine steigende Zahl alter und hochbetagter Menschen versorgen.

Auch unsere Stadt Übach-Palenberg hat sich darauf einzustellen, die Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge an eine rasch alternde Gesellschaft anzupassen und zu sichern.

Denn jetzt der Zeitpunkt gekommen, Handlungsmöglichkeiten unmittelbar und aktiv anzu-gehen und umzusetzen. Wird der demographische Wandel frühzeitig aktiv gestaltet, dann ergeben sich größere Handlungsspielräume, denn verschiedene Optionen können noch systematisch identifiziert, diskutiert und abgewogen werden. Unbestritten ist der demografische Wandel eine fachpolitik-übergreifende Herausforderung über die laufend und umfassend zu informieren und zu diskutieren ist.  

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