Die Landesmeisterschaften im Bosseln machten in Übach-Palenberg Station

 

Bosseln: wem bei diesem Stichwort nichts einfällt, der sollte sich einmal mit den Damen und Herren von der Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) Übach-Palenberg unterhalten.

 

 

Denn das, was manchmal ein bisschen despektierlich als „Eisstockschießen ohne Eis“ bezeichnet wird, spielt das Team der BSG in Übach-Palenberg auf Landesliga-Niveau. Am 04.02.2017 wurden nun die Landesmeisterschaften in der Mehrfach-Turnhalle des Schulzentrums ausgerichtet, und hier trafen die Besten aus ganz NRW aufeinander. Dass Unterhaltung für viele Stunden geboten wurde, zeigten schon die vielen mitgebrachten Snacks und Stullen, die bei Spielern wie Gästen für einen durchgehenden Energienachschub sorgten. Und das brauchten sie auch, die einen als Nervennahrung und die anderen für ihren nicht weniger nervenaufreibenden Sport.

Dabei sieht es ein wenig so aus, als wollte Gerd Segerer mit dem runden hölzernen Teil in seiner Hand den Boden der Sporthalle am Schulzentrum fegen. Schließlich sind unten an dem Gerät Borsten dran. Doch weit gefehlt, denn das, was Gerd Segerer hier mit seinen drei Mannschaftskameraden und den Vertretern der 15 weiteren angetretenen Vereine tut, ist bester Sport und hört auf den Namen Bosseln. „Das ist natürlich nicht mit dem friesischen Nationalsport, dem Boßeln, zu verwechseln“, so Franz-Josef Szymanski. Er, der von den allermeisten hier nur mit seinem Spitznamen „Menn“ gerufen wird, ist nicht nur Vorsitzender der BSG, sondern auch Team-Kapitän. Mit starker Hand greift er zu einer Bossel – so heißen die den Stöcken beim Stockschießen nicht unähnlichen Spielgeräte – nimmt ein wenig Anlauf, setzt sein zielgeübtes Auge und viel Schwung ein, und platziert die Bossel gut im Spielfeld. Das misst zwölf Meter in der Länge, es gibt eine Abwurflinie, die bei reinen Frauenteams zwei Meter dichter am Ziel liegt, und die Bossel soll möglichst gut im vier Meter langen Zielfeld platziert werden. Dort wartet schon die so genannte „Daube“, der Zielstein, der, analog zum „Schweinchen“ beim Boule, möglichst nah erreicht werden sollte. „Ziel ist aber nicht nur die Daube, sondern natürlich auch, dass die gegnerischen Bosseln per Wurf aus dem Spiel gebracht werden“, weiß Franz-Josef Szymanski.

Menn ist nicht nur Vorsitzender der Behinderten-Sportgemeinschaft Übach-Palenberg, unter dessen Dach sich die Bosseler seit knapp einem halben Jahrhundert präsentieren, sondern selbst begeistertes Mitglied dieser ersten Mannschaft des Clubs. Und die Übach-Palenberger sind richtig gut, in dem, was sie tun, denn bei den Landesmeisterschaften schnitten sie mit einem vierten Platz in der Endabrechnung bestens ab. „Wir werden uns oben platzieren“, hatte „Menn“ Szymanski schon vor dem ersten Anstoß angekündigt, und so kam es dann auch. „Leider reichte es aber nicht für den Aufstieg in die Bundesliga“, berichtete er weiter. Denn nur die beiden Erstplatzierten aus Stolberg auf Rang eins und das erste Team aus Brakel auf Rang zwei gelang dies. Dritter wurden die Bosseler von Paderborn I. Damit behaupteten sich die Übach-Palenberger in der Besetzung Franz-Josef „Menn“ Szymanski, Gerd Segerer, Jürgen Müller und Lothar Melsa bestens in der Landesliga, die sie erst vor wenigen Jahren überhaupt erreichten. Und sie sind zu Recht stolz darauf, in der bundesweit zweithöchsten Spielklasse bei dieser ursprünglich aus dem Reha-Sport stammenden Sportart zu stehen.