Die Geburtstagsfeier vom „Traumkarussell“ fand auch am Straßenrand statt

 

„Grenzen fallen, Kulturen fließen ineinander“: so definiert Theaterchefin Ingrid Heinze seit nunmehr dreieinhalb Jahrzehnten ihre Arbeit im „Theater Traumkarussell“.

 
Nicht nur drinnen auf der Bühne, sondern auch draußen am Straßenrand gleich vor der Theaterfassade nutzten die Tänzerinnen vom „Traumkarussell“ das Auto der Chefin als Bühne für ihre mitreißende Tanzeinlage.
Foto: Stadt

Was sich hinter den Türen des Hauses in der Kirchstraße 14 so alles an außergewöhnlicher Kulturarbeit abspielt, war natürlich auch zur offiziellen Geburtstagsfeier zu sehen. Da flogen beispielsweise die Darsteller beinahe durch den Raum, nutzten die einzigartige Anlage des Hauses mit seiner direkten Zuwegung vom Zuschauerraum zur Bühne aus, machten Theater im besten und eigentlichen Sinne.

Bunt, grell und bisweilen auch lautstark war das, was zu sehen war, doch es gab auch die sanften Zwischentöne, die zarten Verweise auf die Zerbrechlichkeit der fragilen Beziehung zwischen Mensch und Kultur, die sich hier in 35 Jahren wie wohl an kaum einem anderen Ort in unserer Region so ungestört aufblühen durfte. Denn nicht nur die Kleinsten zeigten, was sie so können, auch die Älteren durften ran. Gemeinsam zeigten sie eine wahrhaft gewaltige Bandbreite an Tanz und Schauspiel, die nicht nur den Geschmack der Menge, sondern auch der wahren Kenner bediente: Hip Hop, klassisches Ballett mit der theatereigenen Company, Schauspieltraining für die jüngsten Gäste und tiefe Einblicke in die bewegte Geschichte des Hauses wurden zu einem beeindruckenden Statement der Arbeit vor Ort. Und dass Ingrid Heinze ihrem nie gebetsmühlenartig, aber gerne immer auch mit Nachdruck verbreiteten Credo der grenzenlosen Kunst gerne nachkam, wurde auch beim Blick auf den Straßenrand, gleich vor dem Theater sehr deutlich.

Auf dem eigenen Auto ließ sie die jungen Damen der Tanzcompagnie sich ausleben, sie durften ihre Haare, ihren Leib, ihre Energie und ihre ganze Dynamik tanzend auf dem schwarzen Lack umsetzen, begeisterten so auch die, die bei der Geburtstagsfeier nur am Haus vorbeiliefen, und lieferten so einen beeindruckenden Blick von innen nach außen. „Für mich als Pädagogin heißt es, meine Schüler mit den verschiedensten Formen des Theaters zu konfrontieren“, sagt Ingrid Heinze. Dass sie das auch abseits der Bühne und der eigenen vier Wände immer wieder schafft, durfte spätestens nach dieser rauschenden Geburtstagsfeier als bewiesen gelten.