Der „Bunte Nachmittag“ gehört zum Leben in Boscheln einfach dazu

 

Es gibt so ein paar Termine, die sollte eine Frau nicht verpassen, wenn sie in Boscheln wohnt. Der berühmte „Bunte Nachmittag“ ist einer davon, denn wenn die Boschelner Frauen mit viel Liebe zum Detail und zur Karnevalszeit meist noch vor dem Elftenimelften rufen, ist der Saal im Jugendheim an der Roermonder Straße meistens voll.

 

Das war auch bei der jüngsten Auflage nicht viel anders, so freuten sich Moderatorin und Chefin Rita Beging und „ihre Damen“ über guten Besuch und beste Stimmung. Um die Damen perfekt auf das Kommende einzustimmen, gibt es mit Stefan Miehling und seinem Akkordeon den meist einzigen Mann, der am Nachmittag mal Mäuschen spielen darf, was die Damen denn da so Jeckes treiben.

 

 Als offiziell einzig zugelassener Mann in der rein weiblichen Runde,begeisterte Stefan Miehling mit seinem Akkordeonspiel die Damen. Foto: Stadt

Und das ist einiges: nicht so ganz jugendfreie Sachen werden da im Witz zum prima Schenkelklopfer, der übliche Dorftratsch wird im Sketch zum unterhaltsamen Gag und mit Musik geht sowieso alles besser.  Das war nicht nur am Ende des gut dreistündigen Programms so, als sich Irmgard Hofbauer, Trixi Höwing, Trudi Mirbach, Waltraud Raschke, Gertrud Riemenschneider, Kriemhilde Wolters und Käthi Zilgens als Westerngirls mit passender Musik schwungvoll in den Karneval schunkelten. Schon das Entree „Wenn nicht jetzt, wann dann“, machte klar, dass die Damen aus Boscheln ihrer Lust am Spaß und am Bühnenspiel mit ganzem Herzen widmeten. Und während im Saal zu den szenischen Späßen wie „Elternabend“ und dem „Seiltanz“ gelacht wurde, dass sich die Balken bogen, sorgte in der Küche ein eingespieltes Team für Nachwuchs an belegten Brötchen, Leckereien und Getränken. Anni Görtz, Irmgard Merkes, Karola Nilles, Karin Weyand und Erna Riemenschneider waren hier am Start, damit es den begeisterten Gast-Damen an nichts fehlte. Thematisch fehlte es im Saal, der mit einem großen Kreuz, Bildern von früher hier tätigen Pfarrern und des Kirchenchors ganz klar die geistliche Ausrichtung seines Hauses zeigte, an fast nichts. Vor allem drehte sich inhaltlich immer wieder alles um die mehr oder minder kleinen Sünden des Alltags. So haben „Bruno und Käthe“ (Waltraud Raschke und Käthi Zilgens) auf der Bühne eine Aussprache über ihr natürlich fiktives Eheleben, das gleiche Damen-Duo zeigt sich in einer anderen Szene als wunderbar gekleidetes Duett von Engelchen, dass es aber faustdick hinter den Ohren hat. Ein verhinderter Seiltänzer (Trixi Höwing), die Gerüchteküche um eine angeblich tote Anna, die sich bester Gesundheit erfreut und auch die „Trauerschnallen“ vom Friedhof, die alles vor allem besser wissen und sich keinem Witz geschlagen geben, brachten die Stimmung nach vorn und die Zwerchfelle in Lachposition. Und da sich Christiane Raschke noch als weltbeste Requisiteurin empfahl, war der ganze Nachmittag ein wunderbares Beispiel handgemachter Freude, die zum immer wieder gern gesehenen und bejubelten Kult gewachsen ist.

 

 

Die „Trauerschnallen“ hatten allerlei Neuigkeiten vom Friedhof mit dabei und sorgten für viele Lacher beim „Bunten Nachmittag“der Boschelner Frauen. Foto: Stadt