„Setheater“ zeigte das eindrucksvolle Stück ums Vergessen und Versinken

 

Was passiert, wenn ein Mensch nicht mehr derjenige ist, den seine Umgebung kennt? Was geschieht, wenn Depression oder Demenz die Sinne einnebeln und die nächsten Angehörigen denjenigen, der vor ihnen sitzt, nicht mehr begreifen? Antworten auf diese Fragen kamen nun bei Aufführungen des „Setheaters“ aus den Niederlanden, die in unserer Region auf Einladung des Demenz-Servicezentrums unter anderem in unserem Mehrgenerationenhauses (MGH) in Übach-Palenberg gastierten.

 

Das „Setheater“ aus der Region Maastricht machte in unserer Region unter anderem im Mehrgenerationenhaus (MGH) Station, und brachte das Thema „Demenz“ ganz nah an die Zuschauer heran.
Foto: Stadt

Basis des Gezeigten sind zwei Schauspieler, die nur ihre Vornamen verraten: An und Jos. Sie brauchen nicht viele Requisiten oder gar Kostüme, um das offensichtlich durch eine dementielle Erkrankung des Vaters (Jos) gestörte Verhältnis zu seiner Tochter (An) zu skizzieren. Ist es aber wirklich gestört, oder macht es die Krankheit einfach nur unmöglich, das Band zwischen den beiden zu knüpfen?

Erst sprechen beide über Depressionen, dann schlägt das Vergessen, die stete, gebetsmühlenartige Wiederholung von Sätzen und ganzen Situationen erbarmungslos zu. Sehr berührend, sehr tiefgehend und trotz seiner Spielzeit von knapp einer halben Stunde ausgesprochen emotional geht es beispielsweise zu, wenn der Vater seiner Tochter vorwirft, seinen Schlüsselbund weggenommen zu haben, obwohl sie es gar nicht gewesen sein kann. Die Szene wiederholt sich vier, fünf und sechs Mal, und immer zeigt sich in der Reaktion der Tochter und dem Minenspiel des Vaters eine andere Facette des Lebens mit einem dementiell Erkrankten.


Szene aus dem Theaterstück
Foto: Stadt 

Da reicht die Gefühlspalette von purer Wut, von Unverständnis über Verzweiflung bis zur Milde des Wissens um den Zustand des Anderen. Doch der Moment der Selbsterkenntnis, wenn der Vater einen von sich selbst geschriebenen Brief entdeckt, den er nie abgeschickt hat, sondern beim Anblick des verschlossenen Briefs in der Wohnung freudig meint, dass er Post bekommen habe, ist unausweichlich.

So zeichnete das „Setheater“ ein gefühlvolles Bild des täglich, ja stündlich sich ändernden Gefühlslebens von Angehörigen, ohne dabei die Sicht der Erkrankten außer Acht zu lassen. Und durch die wirklich starken Darsteller wirkte das Ganze keine Sekunde wie aufgesetzt, sondern immer eindringlich und schlich sich unter die Gänsehaut der beeindruckten Zuschauer.

Setheater kommt aus der Gegend von Maastricht, hat aber kein eigenes Theater, sondern spielt immer vor Ort, in direktem Kontakt mit den Menschen. Die Gruppe entwickelt meist Theaterprojekte mit verschiedenen Thematiken, beispielsweise aktiv älter werden oder die Balance zwischen Arbeit und Leben. Dabei werden die gezeigten Stücke immer auch an das Unternehmen oder die Organisation angepasst, in denen das Setheater zu Gast ist. Mehr Informationen gibt es auch im Internet in niederländischer Sprache unter www.setheater.nl.