Schüler und Lehrer des Carolus-Magnus-Gymnasiums verzichteten einen Tag lang aufs Essen

 

Sich ärgern lassen, nur weil man mal 24 Stunden lang nichts isst? Das kam für Hari Kittani gar nicht in Frage.

 

So wie hier Hari Kittani (l.) und Vincent Bücher dürften die Schüler des Carolus-Magnus-Gymnasiums in Übach-Palenberg, die für das Projekt „Hunger 24“ einen Tag lang auf das Essen verzichteten, beim Fastenbrechen wieder richtig zuschlagen.
Foto: Stadt

Auch wenn Freunde versuchten, ihm die aktive Teilnahme am Projekt „Hunger 24“ madig zu machen, hielt der Zehnjährige von unserem Carolus-Magnus-Gymnasium am Tag vor den Osterferien tapfer durch. „Ich fühle mich zwar etwas schlapp, aber das wird sich schnell ändern“, sagte er, bevor er nach einem Tag „ohne“ das erste Glas Wasser trinken durfte. „Ich habe zwischendurch trockenes Brot gegessen, das war ja erlaubt“, erzählt sein gleichaltriger Sitznachbar Vincent Bücher. „Jetzt habe ich aber einen Mega-Hunger und freue mich aufs Essen“, schloss er kurz vor Ende der Aktion.

Die 60 Teilnehmer in diesem Jahr speisten am Ende ihrer selbst auferlegten Fastenzeit dann gemeinsam im Schulflur, wozu jeder etwas mitgebracht hatte. Dass sie das ausgiebig taten, war ihnen gegönnt, schließlich beteiligten sich Schüler aller Jahrgangsstufen am Projekt „Hunger 24“ des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG).

„2013 sind wir damit gestartet und fanden auf Anhieb 20 Mitstreiter“, wie SV-Lehrer Holger Hess berichtet. Auch er hat mitgemacht, damit nicht nur die Schüler leiden mussten. „Es war ganz schön hart“, gab er zu, doch die Kraft reichte noch für den laut mit offizieller Schuluhr heruntergezählten Countdown bis zum Essensstart.


Der genaue Blick auf die Schuluhr war beim Countdown mit SV-Lehrer Holger Heß sehr wichtig.
Foto: Stadt

Auf dem Tisch finden sich neben herzhaften Köstlichkeiten auch viele Süßigkeiten und Kuchen, Säfte, Wasser und mehr runden das Bild eines riesigen Schulbuffets ab. Zu Tisch sitzen junge Menschen, die in den letzten 24 Stunden keine feste Nahrung zu sich genommen haben. „Trinken war natürlich erlaubt und natürlich haben wir darauf geachtet, dass die Teilnehmer keine Klassenarbeiten während ihrer freiwilligen Fastenzeit geschrieben haben“, so Holger Heß. Die Aktion wird von der Organisation „worldvision“ initiiert und lädt alle Altersschichten zum Mitmachen ein. „worldvision“ hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen für Armut und Hunger zu sensibilisieren. „Und alle Teilnehmer taten das freiwillig, in ihrer Freizeit“, wie Holger Hess betonte.

So fand der gemeinsame Startschuss nach dem Schulende statt, ein Film über die Verschwendung von Lebensmitteln sorgte nach Ansicht der Pädagogen vor allem bei den jüngeren Schülern für einen nachhaltigen Eindruck. Dass Gefühl, den Hunger am eigenen Leib zu erfahren, war an diesem Tag aber nicht alles: Spenden wurden gesammelt, die für einen noch nicht näher bestimmten guten Zweck fließen werden. „Und das Tolle am gemeinsamen Essen nach einem Tag der Nahrungsabstinenz ist, dass alle zusammen sind und sich austauschen“, unterstreicht auch Holger Heß abschließend.

Ein paar Fakten zeigen schnell, warum die Essensvernichtung eins der großen Themen der Zeit ist: So könnten die Hälfte der Lebensmittel, die in Deutschland weggeworfen werden, noch gegessen werden. Hintergrund ist das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindesthaltbarkeitsdatum, das letzten Endes nichts über die tatsächliche Genießbarkeit des Produktes aussagt. Untersuchungen zeigen zudem, dass nicht nur noch genießbare Lebensmittel im Wert von einigen hundert Euro pro Jahr und Haushalt in Deutschland weggeworfen werden. Auch rund ein Drittel aller entsorgten Nahrungsmittel landet mit ungeöffneter Verpackung im Müll. Statistisch gesehen sind das 80 Kilogramm essbarer Abfall pro Jahr. Und während eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern, werden pro Kopf der Weltbevölkerung von Bauern täglich 4600 Kilokalorien produziert, von denen 1400 niemals einen Magen erreichen. Spitzenreiter im Wegwerfen sind übrigens die US-Amerikaner, dicht gefolgt von Europa.