2. Runder Gesundheitstisch der Stadt Übach-Palenberg

 

Mit dem Bundespatientenbeauftragten Karl-Josef Laumann

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der Bundespatientenbeauftrage und Bevollmächtigter des Bundes für Pflege Karl-Josef Laumann sowie Dr. Horst Gillessen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein diskutierten mit rund 30 interessierten Gästen am 12. Juni über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung und die geplante Reform des ambulanten Notdienstes in Nordrhein.

Es wurde deutlich, dass die dauerhafte Sicherstellung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung in Übach-Palenberg kein Selbstläufer werden wird. Auch wenn die heutige hausärztliche Versorgungssituation in Übach-Palenberg als gut bezeichnet werden kann, sind sieben von insgesamt 16 niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten in unserer Stadt älter als 55 Jahre. Auch wenn es keine Altersgrenze für Ärztinnen und Ärzte gibt, werden diese Hausärztinnen und Hausärzte voraussichtlich in den kommenden zehn bis 15 Jahren altersbedingt aus der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung ausscheiden. Vor diesem Hintergrund fragte Bürgermeister Jungnitsch, was eine Kommune selbst aktiv tun könne, um Hausärztenachwuchs anzuwerben.

Dr. Gillessen erläuterte, dass die KV den gesetzlichen Sicherstellungsauftrag habe, regte aber an, dass Übach-Palenberg als Kommune an Praxisbörsen teilnehmen könne, um z.B. städtische Hausärztinnen / Hausärzte, die ihre Praxis aufgeben wollen und Nachfolger suchen, zu begleiten. Darüber hinaus ist geplant, dass der Gesundheitstisch Kontakt mit der Uniklinik der RWTH Aachen / Lehrgebiet Allgemeinmedizin aufnimmt, um Kooperationsmöglichkeiten mit der Stadt Übach-Palenberg zwecks Fachkräftesicherung und Nachwuchsförderung von künftigen Hausärztinnen und Hausärzten aufzunehmen.

Karl-Josef Laumann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die hausärztliche Versorgung gerade für Ältere unverzichtbar sei und erläuterte die wesentlichen Eckpunkte des jüngst vom Bundestag beschlossenen GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes (GKV-VSG). Dieses Gesetz des Bundes sieht u.a. vor, dass die hausärztliche Versorgung nachhaltig gestärkt wird und die Zahl der zu fördernden Weiterbildungsstellen von 5.000 auf 7.500 erhöht wird, zudem werden Weiterzubildende in der ambulanten Versorgung die gleiche Vergütung wie ein Assistenzarzt im Krankenhaus erhalten. Darüber hinaus sollen Arztpraxen künftig in rechnerisch überversorgten Regionen nur dann nachbesetzt werden, wenn dies für die Versorgung vor Ort auch sinnvoll ist; andernfalls werden die Praxen aufgekauft. Weitere Neuerung: Die Gründungsmöglichkeiten für medizinische Versorgungszentren werden insofern weiterentwickelt, als dass auch Kommunen künftig durch Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums – insbesondere in ländlichen Regionen – aktiv die Versorgung mitgestalten können.

Die Reform des ambulanten Notdienstes und die damit einhergehende geplante Reduzierung der Zahl der Notdienstpraxen war das zweite Schwerpunktthema. Hier sei jedoch noch keine abschließende Entscheidung gefallen, so Dr. Gillessen. KV und Ärztekammer Nordrhein seien im Dialog dazu. Ein wesentliches Ziel der KV sei es, eine möglichst gleichmäßige und insgesamt verringerte Dienstbelastung der Ärztinnen und Ärzte im Notdienst zu erreichen. Angesichts der geringeren Arztdichte in ländlichen Regionen liege dort eine höhere Belastung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte vor, so Dr. Gillessen. Zusammen mit anderen Faktoren werde diese Problematik inzwischen zu einem echten Niederlassungshemmnis, auch mit Blick auf Hausärztinnen und Hausärzte. Abschließend wies Dr. Gillessen darauf hin, dass jetzt in Nordrhein das diskutiert werde, was in Westfalen-Lippe schon seit einigen Jahren umgesetzt ist.

Alle waren sich darin einig, dass es wichtig sei – gerade für immobile, alte und schwerkranke Menschen –, dass die Notfallpraxen auch zukünftig für alle Menschen gut erreichbar seien und parallel zu den Notfallpraxen ein gut funktionierender Fahrdienst bestehe, der bei Bedarf Hausbesuche ermögliche.