Walter Frankenstein dankt dem VDL und der Stadt Übach-Palenberg

 

Walter Frankenstein (links) mit Jürgen Klosa in der Berliner Gedenkstätte „Stille Helden“.
In seiner Hand die Unterlagen zur Ehrung von Theo und Beate Kranz,
die er gerne in sein Stockholmer Zuhause nehmen wird. (Foto: Privat)

Ein Artikel der „Zeit“ bewirkte in Übach-Palenberg eine posthume Ehrung für einen ehemaligen Einwohner. Gemeint ist hier der Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Übach-Palenberg, für den in Israel geehrten Theo Kranz ein Ehrengrab zu errichten. Genannter Theo Kranz, der die letzten knapp 20 Jahre seines Lebens in Übach-Palenberg lebte und 1980 verstarb, musste vor allem in der NS-Zeit durch sein beherztes Handeln große Nachteile in Kauf nehmen bzw. Angst um sein eigenes Leben haben. Da er mit einer jüdischen Frau verheiratet war, die nach einer Denunziation in seinem damaligen Wohnort Leipzig letztendlich in Auschwitz den Tod fand, ließ ihn vor allem für das unmenschliche Schicksal der Juden sensibel werden. Als er dann die im Untergrund lebenden Familienangehörigen seiner Ehefrau half, wo er nur konnte, erfuhr im Jahre 2013 durch die israelische Gedenkstätte Yad Vaschem eine Auszeichnung mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“.

Der VDL aus Übach-Palenberg, unter Federführung von Helmut Landscheidt, initiierte für Theo Kranz und seine in Auschwitz ermordete Frau eine Baumpflanzung bzw. die eingangs erwähnte Ehrung für Theo Kranz in Form des Ehrengrabes auf dem Boschelner Friedhof.

Die Familie von Walter Frankenstein, die insbesondere durch die Hilfe Theo Kranz von 1943 bis 1945 u.a. in Berlin im Untergrund überleben konnte, war natürlich sehr erfreut über diese späten, aber dennoch in ihren Augen angebrachten Ehrungen. Der heute in Stockholm lebende Walter Frankenstein, der trotz seines hohen Alters von 89 Jahren immer wieder in Deutschland, d.h. Berlin ist, war natürlich hoch erfreut, als er bei seinem letzten Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt sogar Besuch aus Übach-Palenberg erhielt. Jürgen Klosa, ehemaliger Stadtschreiber und Heimatforscher, nutzte einen dortigen Aufenthalt, um ein Schreiben des Bürgermeisters Wolfgang Jungnitsch sowie verschiedene Bilder und Dokumente aus Übach-Palenberg zu überreichen, die sich mit der Ehrung von Theo Kranz – seines „Stief“-Schwiegervaters – von seiner Familie zu Lebzeiten immer „Vatel“ genannt - befassten. In der Berliner Gedenkstätte „Stille Helden“, die sich mit Unterstützern von verfolgten und im Untergrund befindlichen Deutschen jüdischen Glaubens befassen, wurden diese Unterlagen offiziell an Walter Frankenstein übergeben. Ebenso erhielt eine Vertreterin der Gedenkstätte, Barbara Schieb, eine Ausfertigung für das Museum.

Vorangegangen war der Besuch in einer Berliner Schule, in der Walter Frankenstein den Schülern seine Erlebnisse vermittelte und so einen weiteren Puzzlestein zu seinem „privaten Feldzug“ gegen Rassismus und Antisemitismus hinzufügte. Hier erwähnte er auch im Beisein von Jürgen Klosa lobend die Stadt Übach-Palenberg bzw. den VDL, weil es immer wieder um kleinere und größere Zeichen zur Schärfung des Bewusstseins in diese Richtung geht. Drei Tage zuvor war er sogar Gast in der ZDF-Talkrunde mit Markus Lanz, wo er auch von seinem Schicksal bzw. den Erlebnissen im Untergrund sprach. Dass sich nur zwei jüdische Familien im Berliner Untergrund dem Holocaust entziehen konnten – die Familie Frankenstein war eine davon – war dabei die beeindruckendste Tatsache.

Für Jürgen Klosa war es natürlich ein besonderes Erlebnis mit Walter Frankenstein persönlich über dessen Erlebnisse sprechen zu können bzw. die Wertschätzung von Theo Kranz und die Betroffenheit über Frankensteins Schicksal in Übach-Palenberg auszudrücken. Hier kam auch zum Vorschein, dass Walter Frankenstein mit seiner damals noch lebenden Frau bis 1980 mehrmals in Übach-Palenberg gewesen war und diese Stadt für ihn auch eine lebendige Vorstellung beinhaltete. Beim Abschied meinte er: „Grüßen Sie den Bürgermeister, den VDL mit seinen Aktiven und die Bürger dieser Stadt. Sagen Sie ihnen, dass mich diese Ehrungen für Theo Kranz außerordentlich gefreut und bewegt haben. Wenn einer diese Ehrungen verdient hat, dann ist es „Vatel Theo“. Mein Anliegen ist es, dass die Menschen selbständig denken und so gegen mögliche „NS-Rattenfänger“ immun werden. Theo Kranz war dies zu seinen Lebzeiten, und darum freut es mich, dass seine mutigen Taten auch nach seinem Tod nicht vergessen werden.“