Werks-Chor Schlafhorst blickt auf ein halbes Jahrhundert Chorgeschichte

 

Ehrenvorsitzender Hans Berris (l.) und Vorsitzender Kurt Müller freuen sich schon jetzt auf die Aktivitäten zum 50-jährigen Bestehen des Werks-Chores Schlafhorst.
Foto: Stadt

Die Zahl der Ordner, die bei ihm Zuhause die Aufschrift „Werks-Chor Schlafhorst“ tragen, hat Hans Berris nicht gezählt. Auch nicht die Stunden freiwilliger Arbeit, die der begeisterte Sänger in „seinen“ Verein investiert hat. Das bisher letzte, das er nicht gesanglich investiert hat, trägt den simplen Titel „50 Jahre Werks-Chor Schlafhorst“, zählt rund 14 penibel getippte DIN-A4-Seiten und ist eine Essenz dessen, was den einstigen Meisterchor so auszeichnete.

„Das war schon ein Haufen Arbeit“, sagt Berris, stolz ist er und trägt sein breites Lächeln gerne hinaus, weil er weiß, dass er damit ein Monument der Vereinsgeschichte geschaffen hat, das so schnell kein anderer hätte schreiben können. Denn Berris ist Gründungsmitglied des Vereins, krönte seine jahrzehntelange Vereinsarbeit mit dem Titel des Ehrenvorsitzenden und ist aus den Reihen der aktiven Sänger nicht wegzudenken. Dort findet sich auch Kurt Müller, der amtierende Vorsitzende der kleiner werdenden Sängerschar. „Nachwuchs zu finden ist ein echtes Problem“, sagt Müller, Berris nickt dazu, denn der in Spitzenzeiten Mitte der 1980er-Jahre bis zu 50 Mann starke Chor, zählt heute gerade einmal 17 Aktive. „Aber der Spaß an der Musik und an der festen Gemeinschaft im Chor, der ist immer geblieben“, ist Kurt Müller sicher.

So freut er sich schon jetzt auf die beiden Highlights des Jubiläumsjahres: Den Ehrenabend am 29. März ab 18 Uhr im Seniorenzentrum am Palenberger Bahnhof und das Jahreskonzert am 26. Oktober in der ehemaligen Lohnhalle des Carolus-Magnus-Centrums. Dort liegt auch ein wenig die Wiege des Vereins, der die Halle heute immer wieder für seine Konzertabende nutzt. Denn die Schließung der früheren Gewerkschaft Carolus-Magnus hat nicht nur eine Lücke in der Wirtschaft der damaligen Zechengemeinde hinterlassen. Mit der Neuansiedlung der Firma Schlafhorst – heute Saurer.

Schlafhorst – wurde ein neues Kapitel Übach-Palenberger Industriegeschichte aufgeschlagen. Die teils mehrere 1000 Mann starke Stammmannschaft von Schlafhorst sorgte natürlich auch für eine gesellschaftliche und kulturelle Verwurzelung in der Stadt. Schon am 29. Februar 1964 begann die Arbeit mit und um den neuen Schlafhorst-Chor, wie Hans Berris zu berichten weiß. „Getreu dem Motto ‚Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen‘ wurde die Sache angegangen“, schreibt er in seiner Chronik. Erster Chorleiter wurde Johannes Bröckers, auch von der damaligen Werksleitung, die noch in Mönchengladbach beheimatet war, gab es den Segen zum Singen. Ende 1964 waren 36 Aktive dabei, der Chorleiter sorgte für die passende Einteilung in vier Stimmen. Doch bis zum ersten Konzert dauerte es noch bis 1967, damals im Aufenthaltsraum des Werkes, es wurde ein echter Erfolg, denn schon acht Tage später stand die erste Konzertreise nach Schruns in Vorarlberg auf dem Programm.

Mit Lambert Kitschen folgten 1975 der erste Chorleiter und der Aufstieg zum Meisterchor 1977. Unter anderem Böhmische Fiedellieder sorgten dafür, dass die Männerstimmen aus Übach-Palenberg am 14. Mai 1977 zum Meisterchor des Sängerbundes NRW wurden. Selbst eine Schallplatte, damals noch im 17-Zentimeter-Format, wurde anlässlich des Erfolges gepresst. Spätestens jetzt stand fest, dass der Chor zur Stadt gehörte und sie stimmlich auch darüber hinaus bestens repräsentierte. Jahreskonzerte, Ehrungen und die Verpflichtung von Heinz Görges als drittem Chorleiter, der Mitte 1985 seine Arbeit aufnahm, schrieben die Erfolgsgeschichte weiter. „Heinz Görges war ein Hansdampf in allen Gassen“, erinnert sich Hans Berris gern zurück. „Wäre es im Laufe der Zeit nach Heinz Görges gegangen, hätten wir nicht mehr gearbeitet, sondern nur noch gesungen und gereist“, berichtet er lachend. Doch die Ära Görges endete mit dem Ende des Jahres 1998, Steffi Bade als Interimslösung hielt leider nur sechs Wochen, weil sie eine Stelle als Lehrerin in Singapur angenommen hatte. „Dass wir aus dem Reigen der wahrlich dünn gesäten Chorleitergilde der hiesigen Umgebung den richtigen und attraktiven Nachfolger fanden, war wohl mehr Glückssache“, schreibt Berris weiter. Aber mit Helmut Esser wurde genau dieser Glücksgriff getan uns seit Anfang 1999 ist er bis heute der offizielle Mann vor den Männern.

Die freuen sich übrigens nicht nur auf den Ehrenabend und das Jahreskonzert. „Wir haben auf dem Dachboden von Heinz Görges noch Tonbänder mit alten Aufnahmen gefunden“, erzählt Kurt Müller. Unbeschriftet waren sie, aber zum Glück und den Jahren zum Trotz in bestem technischen Zustand. „Die Bänder werden derzeit gesichtet und überspielt“, weiß Müller, „und bald können wir zum Beispiel eine tolle Aufnahme der ‚Deutschen Messe’ von Schubert in Kornelimünster aus den 70er-Jahren auf CD präsentieren.“ So blickt der Werks-Chor Schlafhorst in diesem Jahr seines 50-jährigen Bestehens auch akustisch zurück in eine Zeit, als noch viele Männer dort sangen.

Der Ehrenabend am Samstag, 29. März, ab 18 Uhr in unserem Seniorenzentrum sieht natürlich auch die Ehrung langjähriger Mitglieder vor. Es könnte auch sein, dass ein wenig gesungen wird, aber dazu möchte der Vorstand noch nichts sagen. Auf jeden Fall gesungen wird am Sonntag, 26. Oktober, in der Lohnhalle des CMC. Dann treten die Männer vom Werks-Chor Schlafhorst unter der Leitung von Helmut Esser gemeinsam mit den Kirchenchören St. Cäcilia Beggendorf, dem Kirchenchor St. Martinus Oidtweiler und dem Chor „Just for Fun“ auf, um Musical-Melodien zu präsentieren. Darüber hinaus laufen noch Planungen, die „Deutsche Messe“ noch einmal aufzuführen und sich in den Altenheimen von der besten sängerischen Seite zu zeigen. Allerdings gibt es hier wegen der zurzeit noch laufenden Probenarbeiten noch keine festen Termine.


Schon bei früheren Gelegenheiten nutzten die Herren des Werks-Chores Schlafhorst nicht nur die ehemalige Lohnhalle des Carolus-Magnus-Centrums (CMC) für Konzerte, sondern sangen gerne auch im Verbund mit anderen Chören.
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