Rektor Johannes Nellißen fand in
Boscheln: "Berufliches Lebensglück"

 

Johannes Nellißen ging am Donnerstag, 18. Juli, zum letzten Mal in die Schule. Der Rückweg war noch außergewöhnlicher, denn der Rektor der Hauptschule in Boscheln tritt in den Ruhestand.

Der Vorsitzende des Lehrerrats, Wolfgang Klein, überlegte mit den Kollegen: „Wir bringen unseren Schulleiter nach Hause!“ Schüler, Eltern, Lehrer und Vertreter der anderen Schulen, der Schulaufsicht und der Stadt Übach-Palenberg trafen sich morgens auf dem Gelände der GHS an der Friedensstraße. Von dort aus begleitete die Schulgemeinde ihren Rektor ins nahe Baesweiler, seinem Wohnort. An der Ortsgrenze auf dem Gelände des Carl-Alexander-Parks fand innerhalb von zwei Stunden ein abwechslungsreiches Abschiedsprogramm statt: Reden, Musik und Tänze wurden auf der extra aufgestellten Bühne geboten.

Der 62-Jährige blickt zurück auf die Stadt, in der er sein „großes berufliches Lebensglück“ fand. „Ich bin jetzt Pensionär!“ Nein, diesen Satz bringt Johannes Nellißen im Moment einfach nicht über die Lippen: „In dieser Kategorie denke ich noch nicht“, sagt er lachend. Auch wenn er gerade jetzt beim Ordnung machen rund um den Schulschreibtisch auf vieles stößt, was Erinnerungen weckt.

„Dazu gehören für mich viele schöne Klassenfahrten und Projektwochen oder die Entwicklung unserer Kurs-Pool-Partnerschaft mit fünf ortsansässigen Betrieben,“ zählt er auf. „Und vor allem natürlich viele, viele Begegnungen mit Kindern, Eltern, Lehrern.“ Bei der Qualitätsanalyse durch die Bezirksregierung Köln wurde im Jahr 2009 die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule als hervorragend bewertet, erinnert sich der Schulleiter.

Johannes Nellißen startete 1976 in seinen Beruf. Nach dem Referendariat an der Hauptschule in Aachen-Brand kam er als junger Grund- und Hauptschullehrer in den Kreis Heinsberg, an die Grundschule in Waldfeucht-Haaren. Von 1981 bis 2013 war er an den beiden Übach-Palenberger Hauptschulen tätig, unterbrochen durch Tätigkeiten an den Hauptschulen in Geilenkirchen und Ratheim. Ab 1988 war er in Schulleitungsfunktionen an der GHS Übach-Palenberg-Boscheln eingesetzt.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt er. Die Möglichkeiten seien „äußerst positiv“. Auch der damalige Regierungspräsident Hans Peter Lindlar habe bei seinem Besuch im April 2009 die vielfältigen Aktivitäten der Hauptschule Boscheln gelobt. Während seines Berufslebens habe sich die Schule verändert. Nicht zuletzt das Zusammenwirken mit den Eltern sei erfreulich offener geworden. Die Kinder würden heute mehr gefördert und gefordert. Was ihn begeistert, ist die merkliche Steigerung der Unterrichtsqualität, der Einsatz neuer Formen wie freie Arbeitsweisen und auch die Auszeichnung „Gegen Gewalt und Rassismus“ der Hauptschule Boscheln beim Bürgerempfang der Stadt Übach-Palenberg im Jahr 2002, auf die Johannes Nellißen sehr stolz ist.

Enorm zugenommen habe dagegen die Bürokratie. „In der Boschelner Hauptschule stimmen aber noch alle Faktoren“, lobt er und freut sich über „die interessierten, freundlichen, netten Kinder, die aufgeschlossene Elternschaft und das wunderschöne Kollegium“. Lehrer mit den Fächern Arbeitslehre Technik, Physik/Chemie, Mathematik und Kunst ist er aus Leidenschaft gewesen. „Jede Stunde war total spannend und wegen der Schüler individuell.“ Im Rückblick tauchen sofort Meilensteine auf. Strukturelle Veränderungen führten zu neuen Schulprogrammen, veränderten Sicherheitsanforderungen und dem Wandel von Lehrplänen und Unterrichtsmethoden.

Die menschliche Seite hatte bei ihm Vorrang, die Schärfung der Sozialkompetenzen auf Schülerseite war ihm immer ein sehr wichtiges Anliegen. Leistungsschwache wie Leistungsstarke erfuhren Förderung. „Ich habe immer versucht, die Bedürfnisse von Schülern und Lehrern einander anzupassen. Das hat zu einem gesunden Betriebsklima geführt.“ Von seinem langjährigen Wegbegleiter und derzeitigen SV-Vertrauenslehrer Peter Fröschen wird gerade dies bestätigt: „Durch seine Fachkompetenz und vor allem durch seine ruhige, verständnisvolle Art mit Schülern und Lehrern umzugehen, beeindruckt Johannes uns alle.“

Der Schülerchor trug beim Abschiedsfest eine Abwandlung des kölschen Brings-Liedes „Super jeile Zick“ vor, und der Lehrerchor ergänzte „Bye, bye, my Love!“ Und dann fällt es doch, das Wort, das die ganze Zeit unmerklich mitschwang: „Ja, ich habe etwas Wehmut.“ Er sei nicht froh, dass seine Boschelner Schulzeit vorüber ist. „Das ist meine Schulform von Anfang an gewesen, die ich mit sehr vielen Menschen, mit Eltern, Schülern und Kollegen verbinde. Ich habe keine Minute bereut“, meint Johannes Nellißen. „Aber ich freue mich auf das, was jetzt kommt.“

Rektor Nellißen geht in Ruhestand: Blick auf berufliches Lebensglück - Zum Artikel